

Das Jahr 2023 ist zu Ende, aber das Jahr 2024 wird bestimmt ein ebenso tolles Segeljahr.

5 Monate, 136 Häfen und Ankerbuchten, 2.750 Seemeilen, 7 Länder. Hightlights entlang der Route und ein paar Erkenntnisse.

5 Monate, 136 Häfen und Ankerbuchten, 2.750 Seemeilen, 7 Länder.

Von Gedser geht es mit nochmals Nordkurs nach Lundeborg und von da aus mit Südkurs Richtung Heimat.

Solo ging es weiter von Nyköping nach Kalmar.

Am Samstag wollte ich eigentlich noch im Segelladen einen neuen kugelgelagerten Block für die Fock kaufen, aber der hat am Wochenende geschlossen. Also laufe ich bereits um kurz nach 10 Uhr bei herrlichem Wetter aus. Auch andere Boote bereiten das Auslaufen vor, um das schöne Wetter zu nutzen. Da kein Wind ist und auch keiner kommen wird, muss der „Jockel“ ran. Vollgetankt ist und da keine Welle vorhanden ist, komme ich bei 1800 Umdrehungen mit knapp 6 Knoten gut in südlicher Richtung voran.
Was macht man den ganzen Tag lang, wenn mal allein auf dem Schiff ist? Irgendwie hat man immer zu tun:
Also, langweilig wird es eigentlich nie und in Landnähe gibt es auch immer etwas zu schauen.
Die Idee einen Hafen bei Rönskäret anzulaufen, verwerfe ich ein Seemeile vorher wieder, obwohl ich schon alle Leinen und Fender klargemacht hatte und fahre noch weiter 10 Meilen nach Furuögrund. Hier komme ich gegen 19 Uhr an. Mit dem Fernglas mache ich Fingerstege mit Bojen aus. Da ich nicht sicher bin, ob die Fingerstege mir genügend Halt bieten, bereite ich den Bojen Haken an Steuerbord vor, um danach noch einmal alles auf Backbord umzubauen. Heckleinen und Fender sind klar. Dann fahre ich rückwärts an der Boje vorbei, angle mit dem Bojen Haken die Boje und fahre weiter nach achtern in die Box. Dort mache ich die Luvleine fest und dampfe vorsichtig in diese ein. Dann kommt die zweite Heckleine und schließlich hole ich die Leine mit der Boje dicht. Das ist alles immer etwas tricky, aber mit guter Vorbereitung geht das inzwischen ganz gut. Im Hafen gibt es ein kleines Restaurant. Hier bezahle ich die Hafengebühr, mein Skagen-Toast und ein Glas Rose. Danach lese ich noch gemütlich im Heck Korb sitzend in meinem Buch weiter, bevor es in die Koje geht.
Frühmorgens geht’s weiter. Der Finne mit seiner schönen 38er Hallberg Rassy fragt, als ich ablege, ob ich allein bin. Ja bin ich, sonst würde sich ja noch jemand um die Leinen kümmern. Kurze Zeit später fahre ich an der Boje vorbei, löse den Bojen Haken und fahre mit Maschine aus dem Sund um die Ecke. Anfangs kann ich noch segeln, dann schläft der Wind wieder ein und es wird eine etwas langweilige Fahrt in Richtung Bjüroklubben, dort fällt um 16 Uhr bereits der Anker. Die Stunden davor hatte ich mit Hitze und tausenden von Fliegen zu kämpfen. Daher geht’s gleich, nachdem der Anker sitzt ins Wasser. Dann erledige ich noch gefühlt 100 Fliegen, die im Schiff rumkriechen und brate mir dann das schöne Entrecote, welches ich in Lulea gekauft hatte. Dazu reichlich Champignons, die sowieso wegmussten. Meine Angelversuche ergaben keinen Erfolg, dafür geht die Sonne erfolgreich und herrlich unter.
Ich wache früh auf, bade und frühstücke und gehe um 08.00 Uhr bereits „Anker auf“. Der Wind ist herrlich frisch und kommt aus nördlicher Richtung. Ich belasse es bei der Genua, die ordentlich zieht und mich mit um die 5,5 Knoten nach Süden treibt. Nebenbei erledige ich Büroarbeit. Mit der „Big Willy“ tausche ich mich über Funk bzgl. eines Hafens aus. Sie wollen nach Holmön, ich eigentlich noch weiter. Da der Wind gegen 16.00 Uhr schwächer wird, entscheide ich mich auch in diesen Hafen zu fahren.
Das überlege ich mir später wieder. Der Hafen ist zwar groß wird aber nach innen schnell flach. Die letzte Boje die ich nehme bringt mich zwar gut mit dem Heck an die Pier, wo die Crew der Big Willy die Leinen nimmt, aber es ist flach mit Steinen. Also versuche ich das ganze doch als Heckboje. Das Aufnehmen des Hakens stellt sich als schwierig heraus, da das Schiff nach Backbord ins flachere Wasser treibt, während ich versuche den Haken aus der Boje zu bekommen. Dann kommt die Boje noch unter das Schiff und ich sitze leicht auf. Genervt breche ich das Ganze ab. Bekomme schließlich den Haken von der Boje und das Schiff aus dem Flachgebiet raus und fahre aus dem Hafen wieder raus in Richtung Obolla bei Umea. Hier komme ich dann gegen 23 Uhr an. In der breiten Einfahrt nach Omea liegen zahlreiche Stellnetze. Das Wasser ist ruhig und zweimal schaut eine Robbe interessiert aus dem Wasser. Ich mache am Schwimmsteg fest und gehen dann zügig in die Koje. Es war ein langer Segeltag.
Um acht Uhr versuche ich meine Hafengebühr zu bezahlen. Hier ist Bargeld angesagt. Ich habe nur 100 bzw. 500 SEK da. Nette Vereinsmitglieder meinen, dass dann 100 SEK in Ordnung sind. Kurze Zeit später habe ich Wasser aufgefüllt und fahre in den gegenüberliegenden Hafen, um auch den Dieseltank vollzumachen. Dann geht’s bei leichtem Wind weiter in Richtung Süden. Das Wetter ist herrlich sommerlich und mit der Genua komme ich ganz gut voran. Ich putze das Bad und die Dusche. Dabei fällt die Klinke von der Duschtür ab. Das Innenleben verabschiedet sich in die Dusche, wobei die Tür zufällt. Nun bekomme ich sie nicht wieder auf. Von oben in die Dusche zu gelangen, wäre ggf. möglich, aber ich würde nicht mehr rauskommen. Also suche ich eine halbe Stunde lang, nach einem geeigneten Werkzeug, um den Vierkant zu fassen und drehen zu können, damit der Schnapper sich zurückziehen lässt. Schließlich bekomme ich es mit meinem Schraubenzieher hin. Dann wird das Ganze wieder zusammengebaut. Im Anschluss tausche ich noch die Rollen von den Einholern der Fock und der Genua. Nun sind größere kugelgelagerte Blöcke dran, die das Einholen hoffentlich erleichtern. So kann man auch Zeit auf einem Segelboot verbringen.
Kurz vor Järnishamn starte ich die Maschine und fahre in die sehr schöne Bucht ein, die mir an nächsten Morgen Kopfzerbrechen und einen verkeilten Anker bescheren wird.
Zunächst genieße ich den schönen Abend. Angeln, Baden, Sundowner ansehen steht auf dem Programm. In der Signal Gruppe der Midsummersail schreibt mir einer, dass ich am Morgen Schwierigkeiten haben werden den Anker hochzuholen. Und Recht hat er. Die Kette ist voller Seegras und Modder. Als ich das Ding endlich oben habe, verhakt sich der Anker so, dass er nicht mehr runterzulassen geht. Mist. Ich versuche es mit Rütteln und Treten, aber nichts tut sich. Ich werde das im nächsten Hafen heute Abend vom Steg aus versuchen. Jetzt geht’s bei achterlichem Wind und einer blöden Welle von schräg hinten mit der Genua und einem Kurs von 218 Grad in Richtung Ulvon Hamn. Dort habe ich angerufen und es ist Platz vorhanden. In gut 6 Stunden sollte ich da sein.
Es wurde eine ordendliche Schaukelei aber am Ende hat sich diese gelohnt und ich komme durch zwei Inseln hindurch, die Welle lässt schlagartig nach und ich sehe den langegestreckten Hafen von Ulvon Holm. Hier ist viel los, viele Boote liegen vor Heckanker oder an Bojen. Ich melde mich bei Hafenmeister und mache längsseits am Fähranleger fest. Hier kann ich bis morgen um 11 Uhr bleiben. Ich atme kurz durch und hole den Bug so dicht es geht an die Pier, um an den Anker ranzukommen. Jetzt sehe ich, wie er sich verklemmt hat und kann ihn mit zwei Fußtritten aus der Halterung holen und ihn sodann korrekt einholen. Da bin ich beruhigt und machen anschließend klar Schiff und zahle die Hafengenbühr. Abends gehe ich in einem der drei Restaurants am Hafen etwas Essen und haue mich dann todmüde schon um halb neun in die Koje.
Am nächsten Morgen beschließe ich einen Tag hierzubleiben und verhole mich an einen anderen Platz, um den Fähranleger freizugeben. Um 12 Uhr kaufe ich im nahegelegenen Laden ein paar Lebensmittel und frisches Brot. Dann steht Wäschewaschen und Büroarbeit auf den Programm. Den Rest des Tages lasse ich gemütlich vor sich hinplätschern.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …

Wir laufen erst gegen 14 Uhr aus. Der Wind hat, auf SW gedreht, logisch da das die Richtung ist die wir nun einschlagen werden. Dennoch setzen wir Vollzeug und können tatsächlich einen Kurs von ca 152 Grad, später von 125 Grad segeln. Das Wetter meint es gut mit uns, es ist ein entspanntes Segeln. Um 18 Uhr folgen wir dem Tonnenstrich nach Westen. Der Wind flaut ab und wir starten die Maschine in Richtung Brandöskaret. Es geht in eine schmale Einfahrt. Eine Fähre nimmt gerade Gäste auf und wir laufen vorbei an roten kleinen Häusern mit Stegen und Booten davor. Bullabü! Der kleine, sehr süße Hafen ist voll. Man legt mit Heck oder Buganker an. Als wir uns nähern, winkt einer, wir sollen uns schräg an den Kopfsteg legen. Gesagt getan. Wir lassen den Buganker fallen und fahren rückwärts an den Steg. Leinen gehen über und die Ankerleine wird durchgesetzt. Maschine aus und willkommen in Brandoskaret. Bezahlt wird mit Bargeld 120 SEK und der neben uns liegende Motorbootfahrer erklärt und wo die Saunen sind. Wir sollten uns in ein Buch eintragen, wenn wir diese nutzen wollen. Klar wollen wir. Der letzte freie Slot ist um 23 Uhr. Also essen wir vorher. Michael darf endlich seine Oncel Bence Reis Variationen servieren. Wie sagte meine langjährige Freundin Annette immer: „Naja …, bleibt drin …“ Dann geht’s in die Sauna. Es ist eine kleine Sauna, die natürlich mit Holz befeuert wird und, so wie es hier üblich ist, gar nicht so heiß ist. Deshalb schaufelt man reichlich und regelmäßig Wasser auf die Steine und genießt den heißen Wasserdampf. Dann geht’s ins Wasser zum Abkühlen bevor es wieder in die Sauna geht. Unnötig zu erwähnen, dass hier alles gepflegt und sauber ist. Jeder weiß, dass er hier im Paradies ist und sorgt dafür, dass es so bleibt. Gegen halb eins morgens sitzen wir bei einem Glas Wein noch im Cockpit. Es ist hell, und das wird auch so bleiben. Die Sonne geht hier zwar irgendwann unter aber quasi wird es sofort wieder hell.
Am nächsten Morgen unternehmen wir einen kleinen Spaziergang
Am nächsten Morgen unternehmen wir einen kleinen Spaziergang. Viele Ferienhäuser sind von Familien belegt, Kinder spielen auf den Felsen, man sitzt in der Sonne auf der Terrasse oder auf den Booten und freut sich des Lebens. Es gibt eine kleine Kapelle mit Holzbohlen als Sitzbänke. Was für eine schöne entspannte Atmosphäre.
Um kurz nach 13 Uhr verlassen wir diesen schönen Hafen und segeln bei S-Wind mit einem Kurs von 300 Grad in Richtung Lulea. Wir lassen die Insel Smälson an BB und Degerö an Steuerbord und manövrieren die Moyenne durch enge Tonnenstriche. Auf der linken Seite erstreckt sich ein Strand. Jugendliche genießen, wie wir das schöne Wetter. Plötzlich ertönt vom Ufer die Deutsche Nationalhymne und alle winken. Sehr witzig. Ich suche die Schwedische auf You Tube, dann wenden wir und drehen die Außenlautsprecher auf. Kurze Zeit später gehen wir wieder auf Kurs. Es ist ein schönes und entspanntes Segeln und wir denken: „so hätte es zumindest mal zwei Tage auf dem Weg nach Töre sein können“. Um 16.00 Uhr schwenken wir in den Sund von Lulea ein. Es geht vorbei an einigen Industrie-Hafenanlagen bevor wir die Segel bergen und in den Yachthafen einlaufen. Wir wollen vor dem eigentlichen Festmachen noch Tanken. Vor uns hat sich ein Motorboot geschoben und als dieses ausläuft und wir Kurs auf die Tankstelle nehmen überholt uns ein Motorboot in Richtung Tankstelle. Ich pfeife etwas energisch um auf uns aufmerksam zu machen, was ich mir hätte sparen können, denn er will nur seine Freunde von einem Parallelsteg aufnehmen. Christian fährt rückwärts an die Tankstelle. Das ist gar nicht so einfach, wie gedacht aber letztendlich passt alles. Als wir den Schlauch schon in der Hand haben, frage ich eine Schwedin, ob das auch Diesel ist. Nein, Diesel ist der mit dem schwarzen Griff. Gut, dass wir gefragt haben. Rund 50 Liter laufen in den Tank, danach fahre ich uns rückwärts in eine Box. Festgemacht und ich bin froh, dass ich die beiden nun auch sicher an ihr Endziel gebracht habe. Christian kocht eine vorzügliche Spaghetti Carbonara, während Michael und ich klar Schiff machen. Am nächsten Tag werden die beiden nach Berlin zurückfliegen. Vorher zieht mich Christian noch mit dem Bootsmannstuhl für die Mastkontrolle auf eine Höhe von rund 16 Metern. Alles in Ordnung.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …
Irgendwie habe ich zurzeit Problem akuelle Bilder zu laden. Diese folgen also später. Dann kommt auch der Beitrag: Solo weiter nach Süden.

Um 11 Uhr drehen wir in den Sund ein. Der Wind frischt kräftig auf und wir kreuzen mit viel Fahrt und anfangs ordentlicher Krängung endlich in Richtung Töre. Nachdem der Wind in Böen 23 Knoten erreicht, reffen wir das Großsegel und nehmen die Fock anstatt der Genua. Die Geschwindigkeit nimmt nicht wesentlich ab, aber das Schiff liegt viel ruhiger und benötigt nicht so viel Ruderdruck in den Böen. Um 16 Uhr fahren wir auf das Richtfeuer zu und halten uns dann an Steuerbord und da, endlich sehen wir die gelbe Tonne von Töre zum ersten Mal. Große Freude macht sich breit, haben wir doch nun unser Ziel fast erreicht. Eine Stunde später bergen wir die Segel und laufen mit Maschine langsam gegen den Wind mit dem Heck zur Tonne und machen dort für einen ausführlichen Fototermin (leider habe ich mich bei der Kappe vergriffen. Ich wollte die Midsummersail-Kappe aufsetzen und habe versehentlich die genauso aussehende Captains-Kappe gegriffen …) fest! Was für eine Freude und Erleichterung gepaart von Stolz, dass wir es nun doch noch geschafft haben! Kurze Zeit später gehen wir längsseits an die Pier. Ein deutscher Einhandsegler kommt ebenfalls an der Tonne an und wir helfen ihm später beim Anlegen.
Nach einem wohlverdienten „Anleger-Sherry-Weißwein“ erkundet Michael das Terrain und kurze Zeit später sitzen wir bei Anja im Restaurant und bestellen fette Burger bzw. fish and chips. Wir bekommen drei Piccolo Flaschen Sekt aufs Haus und eine Urkunde für das Erreichen des nördlichsten Punktes der Ostsee. Nach einem ausführlichen Absacker im Cockpit und persönlichen Fazits gehen wir geschafft und zufrieden in die Kojen. Nun kann der Urlaub bzw. das entspannte Segeln beginnen 😊.
Insgesamt hat die Moyenne nun schon 5.395 Seemeilen im Kielwasser gelassen.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …
Weitere Bilder folgen, wenn wir ein besseres Internet haben. Dann folgt im nächsten Beitrag. Von Töre nach Lulea und weiter südlich.

Am Samstag, den 5.7. legen wir um 1200 Uhr aus Kirstenstad ab. Michael und ich waren am morgen noch Joggen. Ein bisschen Bewegung kann schließlich nicht schaden und nach dem Frühstück laufen wir unter Maschine dem Tonnenstrich folgend wieder aus dem kleinen Sund aus.
Das Thema „Heizung“ hatte sich auch klären lassen, hat mich aber den ganzen vorherigen Vormittag gekostet. Sie hatte am Abend vorher ihre Arbeit eingestellt, nachdem die Windböen durch den Auspuff ins Innere vorgedrungen waren und die Flamme zum Erlöschen gebracht hatte. Der Brenner versuchte daraufhin dreimal wieder zu Zünden, aber der Wind war zu stark, so dass das die Software das System verriegelte. Ein Reset am Controller brachte keinen Erfolg. Ich schrieb Herr Klepsch an und er rief netterweise zurück. Wir sollten bei eingeschaltetem Gerät die Sicherung ziehen, warten, dann Sicherung wieder rein, Gerät ausschalten, Resetten und dann erneut starten. Das tat ich aber der Erfolg wollte sich nicht einstellen. Ich schrieb an Webasto, mit einer kurzen Lagebeschreibung, eine Ortsangabe und der Bitte um Rückruf und nicht um langwierige Mailkommunikation. Und, tatsächlich meldete sich kurze Zeit später ein Servicemitarbeiter (das nenne ich mal Service!!) und ging mit mir erneut alle Schritte durch. Der entscheidende Hinweis kam noch a) die Fehlermeldungen einzeln zu Quittieren und dies für alle Fehler (dazu mussten man im Menü immer einen Schritt weitergehen, was ich beim ersten Versuch übersehen hatte) und der Heizung den Befehl zu geben auf 30 Grad aufzuheizen. Kurze Zeit später meldete Michael, der am Auspuff stand, dass nun warme Luft kommen würde, ein sicheres Zeichen, dass die Heizung nun anlaufe. Die Heizung sollten wir nun mal eine Stunde auf voller Leistung laufen lassen. Wenn ich mir die bisherigen und auch die jetzigen Temperaturen beim Schreiben dieser Zeilen so ansehe, bin ich heilfroh, dass die Heizung nun läuft. Wir nutzten den weiteren Tag, Wäsche zu waschen und das hiesige Schifffahrtsmuseum zu besuchen. Kirstenstad war ein bedeutender Handelshafen und die Geschichte wurde mittels vieler Ausstellungsstücken, Texten und Bildern dargestellt.
Das Abendessen wurde vorbereitet und die Sauna erneut besucht. Ein finnisches, männliches Pärchen war auch wieder in der Sauna. Der mit den langen Haaren konnte wenig Englisch und als wir alle in der Sauna saßen, wies er seinen Kumpel (beide um die 70) an, sich doch neben mich zu setzen, da er besser Englisch sprechen würde. Dieser (evtl. schwerhörig) machte aber keine Anstalten seinen Platz zu tauschen, also setze der Langhaarige sich wieder neben mich. Die Sauna hatte, wie am Vorabend eine recht geringe Grundwärme, also kippten wir – nach finnischer Manier eine Kelle Wasser nach der anderen auf die Steine im Ofen. Unser Nachbarlieger kam auch noch in die Sauna und gab uns noch Tipps für die schwedische Seite (Trysundet, Holmasundet etc.). Nach dem Abendessen ging es in die Kojen.
Der angekündigte Wind erschien nicht und so mussten wir den ganzen Tag Motoren. Ein Blick auf die Tankanzeige machte mir etwas Sorgen, da wir nur noch ca. 70 Liter im Tank hatten. Eigentlich hatten wir vor, wieder auf die schwedische Seite zu segeln, was aber mangels Windes ausfiel. Mit Maschine rüberzufahren wäre gegangen aber die recherchierten Tankmöglichkeiten waren mir zu vage. Daher entschlossen wir uns nach Vaasa zu fahren. Das war ein Umweg von ca. 2-3 Stunden, aber dort würden wir sicher Diesel bunkern können. Also auf nach Vaasa. ETA (Estimated Time of Arrival 01.30 Uhr).
Kurzfristig setzen wir Segel, um sie nach 40 Minuten wieder zu bergen. Also weiter mit dem Diesel. Wir passieren die Fährlinie Granön-Bredskäret. Hier wurde anscheinend kürzlich eine neue Mole beidseitig errichtet. Die kreuzende Fähre hat kein aktives AIS zeigt aber dafür mit zwei roten Lichtern bzw. zwei Bällen, dass sie manövrierbehindert ist. Wir gehen hinter ihr durch. Landschaftlich ist es hier sehr schön, viele Inseln, zwischen denen wir durchnavigieren müssen. Gegen Mitternacht wollten wir eine Abkürzung durch ein sehr eng betonntes Fahrwasser nehmen. Die Untiefentonnen sind eher kräftige Stöcke, die aus dem Wasser ragen und kurze Zeit später sind wir vor der Einfahrt zwischen zwei Inseln. Ein Schild weißt eine Wassertiefe von 1.20 aus und das ist selbst für uns zu wenig. Also wieder zurück und außen herum. Schließlich kommen wir in das Hauptfahrwasser, das nach Vaasa, einen Industriehafen, führt. Kurz vor dem Hafen biegen wir nach BB ab und folgen einem weiteren Tonnenstrich, der zu den drei Yachthäfen führt. Um 01.50 Uhr machen wir an der Tankstelle fest. Die Lücke ist sehr enge, aber Gott sei Dank ist kein Wind, also bugsiere ich die Moyenne vorsichtig in die Lücke. Dann laufen für 186 EUR 110 Liter Diesel in den Tank. Michael kommt aus der Koje und kurze Zeit später laufen wir wieder, dem Hauptfahrwasser folgend aus in Richtung offenes Wasser. Ich lege mich Schlafen und Christian und Michael haben die Wache. Um kurz nach 0400 passieren wir die Brücke Korshlm-Replote und laufen weiter mit nördlichen Kursen. Der Wind kommt anfangs noch schwach aus Osten, später frischt er auf 3-4 Bft. auf. Mit Vollzeug geht es mit 5,5 Knoten gut voran. Wir lassen den LT Enstandsgrund an Steuerbord und später den LT Ritgrund an BB. Die Welle kommt nun schräg von vorne und wir stampfen ordentlich gegen an, was keine wirkliche Freude ist. Wir lassen die Arbeit zwischenzeitlich vom Autopiloten und dem Windprogramm erledigen, der einen Einfallswinkel von 50 Grad hält. Am Vormittag lässt die Welle nach und es wird sonnig. Wir haben das Ziel so weit wie möglich nach Norden an die schwedische Küste zu kommen. Der Wind nimmt gegen Mittag zu, was ich in der Koje bemerkt und aufstehe, um das erste Reff ins Groß zu nehmen. Gleichzeitig tauschen wir die Genua gegen die Fock. Nun liegt das Schiff etwas ruhiger und wir laufen trotzdem unsere 5,5 Knoten. und einen Kurs von 340 Grad. Michael verabschiedet sich in die Koje und gegen halb acht tauschen wir die Fock wieder gegen die Genua ein. Die Wellen sind weiter unangenehm und wir sind froh, um 2045 die Segel zu bergen und in Richtung Bjurösklubb zu laufen. Dies ist ein kleiner sehr geschützter Hafen, in dem schon die „Lotta“ liegt. Hiermit haben wir nun einen Breitengrad von 64 Grad und 28 Minuten erreicht. Wir legen uns längsseits an die Pier und bringen beidseitig Fender aus, da auch die Sheika noch einlaufen wird. In der mit holzbefeuerten Sauna gegenüber ist um 23 Uhr noch High-Live. Eine Gruppe Jugendlicher sauniert und springt später unter viel Gejohle ins Hafenbecken. Wir essen noch leckere Flammkuchen-Röllchen von Christian, sehr lecker. Dann wird noch etwas erzählt und als ich das Licht lösche, ist es halb zwei.
Morgens um neun wache ich auf. Mein offizieller Urlaub ist zu Ende und ich nutze den Vormittag, um zu arbeiten und mit Kunden zu telefonieren. Unser Nachbarlieger mit einer sportlichen Dehler 30 (eher ein Racer) hat sich durch das etwas gefallene Wasser mit seiner 2.10 tiefgehenden Bombe festgesetzt und wir benötigen ca. 1,5 Stunden, ehe wir ihn mit allerlei Leinenarbeit und künstlicher Krängung und vielem Hin und Herziehen frei bekommen. Nun ist auch erst der Weg für uns aus dem Hafenbecken frei und wir laufen aus. Zunächst ist die Welle noch unangenehm hoch, beruhigt sich dann aber etwas und wir können mit Vollzeug in Richtung 310 und später ca. 30 Grad also in Richtung Töre segeln. Die Sonne scheint, der Wind soll später auf West und dann leider wieder auf Nord drehen. So können wir anfangs noch schön segeln, essen abends Hähnchen aus dem Ofen. Dann schläft der Wind ein, die Maschine muss bis 23 Uhr wieder ran, bevor sich dann der Westwind tatsächlich für 4 Stunden einstellt und uns in der „Nacht“, die hier schon lange keine mehr ist, gut voranbringt. Wir setzen uns eine Route zum Fahrwasser nach Töre auf und hoffen, dort morgen am Nachmittag dann endlich anzukommen. Michael und Christian schicke ich in die Koje und übernehme bis um halb fünf die Wache, bevor ich beide wecke.
Die beiden bringen uns weiter nach Osten durch die Schären. Das Wetter ist schön, aber kalt. Wir müssen ein paar Kreuzschläge einlegen, bevor wir in Richtung Norden in den Sund einbiegen können, der uns nach Töre bringen soll.
Die Racing App ist kurz vor unsere Ankunft abgeschaltet worden, aber auf marinetraffic kann man uns weiter verfolgen.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …
Weitere Bilder folgen, wenn wir ein besseres Internet haben. Dann folgt im nächsten Beitrag der Zieleinlauf in Töre!
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.