Am Samstag wollte ich eigentlich noch im Segelladen einen neuen kugelgelagerten Block für die Fock kaufen, aber der hat am Wochenende geschlossen. Also laufe ich bereits um kurz nach 10 Uhr bei herrlichem Wetter aus. Auch andere Boote bereiten das Auslaufen vor, um das schöne Wetter zu nutzen. Da kein Wind ist und auch keiner kommen wird, muss der „Jockel“ ran. Vollgetankt ist und da keine Welle vorhanden ist, komme ich bei 1800 Umdrehungen mit knapp 6 Knoten gut in südlicher Richtung voran.
Was macht man den ganzen Tag lang, wenn mal allein auf dem Schiff ist? Irgendwie hat man immer zu tun:
Also, langweilig wird es eigentlich nie und in Landnähe gibt es auch immer etwas zu schauen.
Die Idee einen Hafen bei Rönskäret anzulaufen, verwerfe ich ein Seemeile vorher wieder, obwohl ich schon alle Leinen und Fender klargemacht hatte und fahre noch weiter 10 Meilen nach Furuögrund. Hier komme ich gegen 19 Uhr an. Mit dem Fernglas mache ich Fingerstege mit Bojen aus. Da ich nicht sicher bin, ob die Fingerstege mir genügend Halt bieten, bereite ich den Bojen Haken an Steuerbord vor, um danach noch einmal alles auf Backbord umzubauen. Heckleinen und Fender sind klar. Dann fahre ich rückwärts an der Boje vorbei, angle mit dem Bojen Haken die Boje und fahre weiter nach achtern in die Box. Dort mache ich die Luvleine fest und dampfe vorsichtig in diese ein. Dann kommt die zweite Heckleine und schließlich hole ich die Leine mit der Boje dicht. Das ist alles immer etwas tricky, aber mit guter Vorbereitung geht das inzwischen ganz gut. Im Hafen gibt es ein kleines Restaurant. Hier bezahle ich die Hafengebühr, mein Skagen-Toast und ein Glas Rose. Danach lese ich noch gemütlich im Heck Korb sitzend in meinem Buch weiter, bevor es in die Koje geht.
Frühmorgens geht’s weiter. Der Finne mit seiner schönen 38er Hallberg Rassy fragt, als ich ablege, ob ich allein bin. Ja bin ich, sonst würde sich ja noch jemand um die Leinen kümmern. Kurze Zeit später fahre ich an der Boje vorbei, löse den Bojen Haken und fahre mit Maschine aus dem Sund um die Ecke. Anfangs kann ich noch segeln, dann schläft der Wind wieder ein und es wird eine etwas langweilige Fahrt in Richtung Bjüroklubben, dort fällt um 16 Uhr bereits der Anker. Die Stunden davor hatte ich mit Hitze und tausenden von Fliegen zu kämpfen. Daher geht’s gleich, nachdem der Anker sitzt ins Wasser. Dann erledige ich noch gefühlt 100 Fliegen, die im Schiff rumkriechen und brate mir dann das schöne Entrecote, welches ich in Lulea gekauft hatte. Dazu reichlich Champignons, die sowieso wegmussten. Meine Angelversuche ergaben keinen Erfolg, dafür geht die Sonne erfolgreich und herrlich unter.
Ich wache früh auf, bade und frühstücke und gehe um 08.00 Uhr bereits „Anker auf“. Der Wind ist herrlich frisch und kommt aus nördlicher Richtung. Ich belasse es bei der Genua, die ordentlich zieht und mich mit um die 5,5 Knoten nach Süden treibt. Nebenbei erledige ich Büroarbeit. Mit der „Big Willy“ tausche ich mich über Funk bzgl. eines Hafens aus. Sie wollen nach Holmön, ich eigentlich noch weiter. Da der Wind gegen 16.00 Uhr schwächer wird, entscheide ich mich auch in diesen Hafen zu fahren.
Das überlege ich mir später wieder. Der Hafen ist zwar groß wird aber nach innen schnell flach. Die letzte Boje die ich nehme bringt mich zwar gut mit dem Heck an die Pier, wo die Crew der Big Willy die Leinen nimmt, aber es ist flach mit Steinen. Also versuche ich das ganze doch als Heckboje. Das Aufnehmen des Hakens stellt sich als schwierig heraus, da das Schiff nach Backbord ins flachere Wasser treibt, während ich versuche den Haken aus der Boje zu bekommen. Dann kommt die Boje noch unter das Schiff und ich sitze leicht auf. Genervt breche ich das Ganze ab. Bekomme schließlich den Haken von der Boje und das Schiff aus dem Flachgebiet raus und fahre aus dem Hafen wieder raus in Richtung Obolla bei Umea. Hier komme ich dann gegen 23 Uhr an. In der breiten Einfahrt nach Omea liegen zahlreiche Stellnetze. Das Wasser ist ruhig und zweimal schaut eine Robbe interessiert aus dem Wasser. Ich mache am Schwimmsteg fest und gehen dann zügig in die Koje. Es war ein langer Segeltag.
Um acht Uhr versuche ich meine Hafengebühr zu bezahlen. Hier ist Bargeld angesagt. Ich habe nur 100 bzw. 500 SEK da. Nette Vereinsmitglieder meinen, dass dann 100 SEK in Ordnung sind. Kurze Zeit später habe ich Wasser aufgefüllt und fahre in den gegenüberliegenden Hafen, um auch den Dieseltank vollzumachen. Dann geht’s bei leichtem Wind weiter in Richtung Süden. Das Wetter ist herrlich sommerlich und mit der Genua komme ich ganz gut voran. Ich putze das Bad und die Dusche. Dabei fällt die Klinke von der Duschtür ab. Das Innenleben verabschiedet sich in die Dusche, wobei die Tür zufällt. Nun bekomme ich sie nicht wieder auf. Von oben in die Dusche zu gelangen, wäre ggf. möglich, aber ich würde nicht mehr rauskommen. Also suche ich eine halbe Stunde lang, nach einem geeigneten Werkzeug, um den Vierkant zu fassen und drehen zu können, damit der Schnapper sich zurückziehen lässt. Schließlich bekomme ich es mit meinem Schraubenzieher hin. Dann wird das Ganze wieder zusammengebaut. Im Anschluss tausche ich noch die Rollen von den Einholern der Fock und der Genua. Nun sind größere kugelgelagerte Blöcke dran, die das Einholen hoffentlich erleichtern. So kann man auch Zeit auf einem Segelboot verbringen.
Kurz vor Järnishamn starte ich die Maschine und fahre in die sehr schöne Bucht ein, die mir an nächsten Morgen Kopfzerbrechen und einen verkeilten Anker bescheren wird.
Zunächst genieße ich den schönen Abend. Angeln, Baden, Sundowner ansehen steht auf dem Programm. In der Signal Gruppe der Midsummersail schreibt mir einer, dass ich am Morgen Schwierigkeiten haben werden den Anker hochzuholen. Und Recht hat er. Die Kette ist voller Seegras und Modder. Als ich das Ding endlich oben habe, verhakt sich der Anker so, dass er nicht mehr runterzulassen geht. Mist. Ich versuche es mit Rütteln und Treten, aber nichts tut sich. Ich werde das im nächsten Hafen heute Abend vom Steg aus versuchen. Jetzt geht’s bei achterlichem Wind und einer blöden Welle von schräg hinten mit der Genua und einem Kurs von 218 Grad in Richtung Ulvon Hamn. Dort habe ich angerufen und es ist Platz vorhanden. In gut 6 Stunden sollte ich da sein.
Es wurde eine ordendliche Schaukelei aber am Ende hat sich diese gelohnt und ich komme durch zwei Inseln hindurch, die Welle lässt schlagartig nach und ich sehe den langegestreckten Hafen von Ulvon Holm. Hier ist viel los, viele Boote liegen vor Heckanker oder an Bojen. Ich melde mich bei Hafenmeister und mache längsseits am Fähranleger fest. Hier kann ich bis morgen um 11 Uhr bleiben. Ich atme kurz durch und hole den Bug so dicht es geht an die Pier, um an den Anker ranzukommen. Jetzt sehe ich, wie er sich verklemmt hat und kann ihn mit zwei Fußtritten aus der Halterung holen und ihn sodann korrekt einholen. Da bin ich beruhigt und machen anschließend klar Schiff und zahle die Hafengenbühr. Abends gehe ich in einem der drei Restaurants am Hafen etwas Essen und haue mich dann todmüde schon um halb neun in die Koje.
Am nächsten Morgen beschließe ich einen Tag hierzubleiben und verhole mich an einen anderen Platz, um den Fähranleger freizugeben. Um 12 Uhr kaufe ich im nahegelegenen Laden ein paar Lebensmittel und frisches Brot. Dann steht Wäschewaschen und Büroarbeit auf den Programm. Den Rest des Tages lasse ich gemütlich vor sich hinplätschern.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …