Morgens verhole ich das Schiff an einen anderen Liegeplatz hinter einer großen Motoryacht. Die Ulysses läuft ein. Sie ist auch die Midsummersail mitgesegelt und ich quatsche mit Jörn, der nun mit seiner Tochter und ihrem Freund unterwegs ist. Die Regatta ist er mit drei Freunden gesegelt, die alle regattaerfahren waren. Sie schafften es im Zeitlimit ins Ziel. Ich werde sie im nächsten Hafen erneut treffen. Abends esse ich auf der Terrasse des Ulvö Hotels zwei Gänge mit Weinbegleitung. Meine Damenbegleitung kommt leider erst in Stockholm an Bord. Daher muss ich mich auch weiter etwas sputen, was mir nicht wirklich gefällt.
Aus diesem Grund laufe ich auch bereits um halb zehn aus. Als ich aus dem Sund komme erstreckt sich vor mir ein tolles Küsten-Panorama mit reichlich bewaldeten „Bergen“. Segeltechnisch wird das ein Up and Down, das heißt Segel hoch, Segel runter, Maschine an, Maschine aus. Um kurz nach 14 Uhr biege ich in den Trangsund ein und motore durch schmale Einfahrten in Richtung Haggvik Havn. Es ist wirklich ein idyllisches Plätzchen. Die Ulysses liegt schon dort und ich ergattere die letzte freie Boje. Ich bin ja nach wie vor kein Freund von diesen Bojen, da es alleine echt etwas mühselig ist. Der Bojenhaken liegt vorbereites an Steuerbord am offenen Gate. Die lange Leine führe ich von vorne durch die Bugklampe nach hinten zur Winsch. Rückwärts fahre ich an die Boje. Versuche mit dem Haken die Boje so zu treffen, dass der Haken auch dranbleibt. Nach hinten laufen, die Lose rausholen, damit der Haken nicht doch noch rausfällt, gleichzeitig rückwärtsfahren und an den Steg rantasten. Dabei hilft teilweise das Bugstrahlruder. Hinten angekommen, die Heckleinen an helfende Hände übergeben oder selbst auf den Steg und die Luvleine belegen. Dann zurück auf das Schiff und vorwärts einkuppeln und die Leine mit dem Bojenhaken dichtholen. Mit der zweiten Heckleine das Schiff ausrichten und die Bugleine dicht winschen. Fertig. Zwei Stegnachbarn helfen beim Anlegen. Als ich vor der Einfahrt war, trieb vor mir noch ein Schwede. Er hatte die Segel geborgen und es gab auf meine Frage hin gerade noch Mittagessen, daher ließen sie sich in Richtung Einfahrt nur Treiben. Er zeigte mir nach her noch einen guten Bojenhaken mit Schnappmechanismus. Ich hatte einen solchen auf meiner Reise 2023 an Bord. Er hat den Vorteil, dass er sich nicht versehentlich lösen kann. Allerdings ist er mir einmal bei Starkwind verbogen, so dass er sich nicht mehr leichtgängig öffnen ließ, daher blieb er in Berlin.
Ich laufe zu dem angesagten Freilichtmuseum, was ganz nett ist. Ein Sammelsurium aus Technik, Geschichte und Naturkunde. Abends gehe ich in die Sauna und sitze später noch mit der Crew der Ulysses sehr nett zusammen.
Erneut breche ich am nächsten Tag früh auf. Ich will in Harnösund tanken. Das ist zwar ein Umweg aber nicht zu ändern. Der Wind macht nicht wirklich das, was er soll. Nur teilweise kann ich segeln. Später kommt aus unerklärlichen Gründen noch eine sich immer weiter aufbauende Welle aus SO hinzu, so dass ich mit Maschine fast gegenan muss. Sehr nervig das Ganze heute. Nach gut 10 Stunden drehe ich nach Steuerbord ab um dann in eine kleine Bucht Soräkars Viken einzubiegen. Dort wiederholt sich das Heckbojenmanöver. Allerdings ist die sche … Boje so weit vom Steg entfernt, dass ich die Leine letztendlich von der Winsch nach vorne auf die Bugklampe nehmen muss. Der Stegnachbar, hat aber die Heckleine übernommen und hält die Moyenne vom Steg ab, also alles doch einfach. Abends gibt es Lachs mit Kapern und Oliven ein Glas Wein, oder zwei. Noch ein bisschen Small Talk und ab in die Koje.
Auch der Sonntag startet mit Traumwetter. Der Wind ist mal da, mal nicht da, kommt aber zumindest aus O bzw. NO. So wiederholt sich das Spiel mit den Segeln. Zwischendurch schraube ich die Abläufe im Cockpit auseinander und reinige sie, dann schreiben ich im Blog weiter und genieße die heute sehr entspannte Fahrt nach Süden. Für heute Nachmittag habe ich mir schon eine Ankerbucht ausgesucht. Der Wind bleibt weiterhin schwach. Nur wenige Schiffe kommen in Sichtweite. Der Diesel läuft ruhig vor sich hin. Bei ruhiger See und rund 1800 Umdrehungen verbrauche ich zwischen 2,5 und 3 Liter die Stunde, bei ca. 5,7 Knoten Fahrt. Das Bimini macht sich auch dieses Jahr wieder bezahlt und eigentlich auch der Genacker. Diesen kann ich aber alleine nicht setzen und so fristet er zurzeit sein Dasein in der Steuerbord-Backskiste genauso wie das Dinghy. Da fällt mir ein, dass ich den Akku vom Torqueedo mal aufladen könnte. Für das Aufladen der Flex, des mobilen UKW-Gerätes und der Taschenlampe habe ich eine Erinnerung alle 4 Wochen. Die Drohne werde ich auch noch Laden, das dauert ja immer, bis diese voll ist. Vielleicht bietet sich noch die Gelegenheit für ein paar schöne Bilder aus der Luft. 2023 hatte ja meine erste Drohne irgendwo in einer finnischen Bucht stilgerecht im Wasser versenkt.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …