Rund 86 Boote nehmen an der Regatta teil. Wir legen um 0945 ab. Unsere Startzeit ist um 1045 in der Gruppe 2. Es wird ein Kängurustart, das heißt die langsamen Boote starten zuerst. Dadurch zieht sich das Feld zunächst zusammen. Der Start ist unkompliziert und wir laufen um die Ablauftonne und gehen auf raumschotskurs. Henner setzt sich schnell unter Genacker ab. Wir umrunden die Ecke östlich von Kerteminde und können dann einen Halbwind-Kurs anlegen. Der Wind kommt aus Westen mit 14 Knoten und wir laufen unter Vollzeug mit bis zu 8.3. Knoten deutlich schneller als die Rumpfgeschwindigkeit. Der Strom hilft dabei. Mit vielen anderen Booten können wir einigermaßen mithalten, aber sie laufen oft einen halben oder sogar einen Knoten schneller. Bei 5 Stunden bedeutet das schon bis zu 5 Seemeilen Vorsprung. Spaß haben wir bei den Bedingungen in jedem Fall. Manfred lässt es krachen und wechselt sich mit Jens am Steuer ab. Wir runden eine rote Tonne und dann geht die „Kreuzerei“ los. Das Feld zieht sich auseinander. Wir wechseln auf die Fock, um schneller wenden zu können. Der Wind hat nun komplett auf West gedreht, kommt also aus der Richtung, in die wir fahren müssen. Immer wieder treffen wir u.a. auf eine „Maxi“, die immer dicht unter Land bleibt. Wir werden sie irgendwo im Sund morgens überholen, bevor sie dann wieder unbemerkt an uns vorbeizieht.
Zunächst mühen wir uns auf der Kreuz. Mit der Genua hart am Wind, d.h. Einfallwinkel ca. 35 Grad. Dann Fock raus. Genua einrollen, was bei viel Wind viel Kraft kostet. Dann Wenden, Genua raus, Fock rein. So geht das mehrere Stunden in Richtung Westen. Abends freuen wir uns über das vorbereitete Chili. Jens geht gegen 2230 in die Koje. Die Navigationsbeleuchtung wird eingeschaltet und Manfred und ich mühen uns in Richtung Middelfahrt. Ein Fischer überholt uns. Die Dachwinsch zieht nicht mehr voll und wir bekommen einen Spannungsabfall-Alarm in der Servicebatterie, obwohl diese noch bei 87% steht. In der Vergangenheit war sie auch schon mal auf 65% runter, ohne dass es einen Alarm geben könnte. Die aus der Batterie rausgehenden Amperestunden zeigen nichts Auffälliges. Wir lassen die Maschine mitlaufen und laden die Batterien auf 97% auf. Das Spiel sollte sich wiederholen. Die Gründe dafür sind noch unbekannt. Wir passieren die beiden Brücken gegen 0200. Der Mond geht an Backbord auf und der Strom hilft nun ein bisschen mit. Um halb viel überholen wir die Salema. Sie wird sich revanchieren.
Jens wechselt sich mit Manfred ab. Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis durch die Nacht, die hier ja nur ca. 3 Stunden andauert, zu fahren. Gegen 0500 Uhr gehe ich in die Koje. Wir verlieren aus unerklärlichen Gründen zwei Plätze und haben nur noch die Aquarius hinter uns. Der Wind ist eingeschlafen und wird erst gegen 11 Uhr mit 4 Bft. zurückkommen. Natürlich aus SO, also in die Richtung, in die wir müssen. Mit 4,5 Knoten kreuzen wir nach Süden. Über Land wird es zappenduster. Wir passieren den LT von Healnes und können etwas abfallen und in den Sund einlaufen. Ein kleiner Kreuzer läuft mit uns. Der Wind hat zwischenzeitlich zugenommen, um kurz vor Lyö wieder abzunehmen. Die dunkle Wand kommt mit einer grauen Walze auf uns zu gerollt. Es blitzt und der Luftdruck fällt rasch. Das sieht nicht gut aus. Meinen Gedanken mit Maschine weiter in den Sund zu einer Stelle zu fahren, die uns Manöverfreiheit verspricht lassen wir fallen und fahren in den Hafen von Avernako ein. Dort gehen wir rasch längsseits. Unser Verfolger, die Aquarius läuft hinter uns ein. Später erklärt der Däne, das er so eine Walze noch nicht gesehen hat. Es fängt an stark zu regnen aber der große Wind bleibt aus. Die Front zieht weiter in den Sund und wir sehen die Blitze. Da wollten wir nicht hinterherfahren. Schweren Herzens melde ich uns von der Regatta ab, da das Zeitfenster nicht zu schaffen ist. Wir entspannen uns, ich koche und wir haben einen schönen Abend an Bord. Morgen früh um 0500 soll es weiter gehen.
Gesagt getan, um 0500 legen wir ab und fahren den Sund hinauf in Richtung Svendborg. Ein bis 1,5 Knoten Gegenstrom gestaltet die Sache länger als gedacht. Schließlich drehen wir bei Turö Rev nach Norden. Ich schlafe zwei Stunden und dann setzen wir den Genacker. Dieser bringt und vor die Westdurchfahrt der Belt-Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 18 Meter (wir haben 16.1). Danach setzen wir nochmal Vollzeug und düsen in Richtung Kerterminde. Um 15 Uhr tanken wir voll und verholen uns in eine passende Box. Henner und Kai sind uns noch entgegengekommen und wollen noch nach Marstal kommen. Ich bin froh, dass insgesamt alles sehr gut geklappt hat und Crew und Schiff sicher im Hafen sind.
Auf eine wirklich „erfolgreiche“ Regatta muss ich eben noch warten …
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