Planänderung, anstatt Barhöft breche ich am Mittwoch gegen 13 Uhr auf, um in den neuen Hafen nach Prerow (ehemaliger Schutz- und Nothafen) zu fahren. Das Wetter ist sonnig, der Wind, wie angesagt mit ca. 12-14 Knoten aus nördlichen Richtungen. Es geht mit der Fock und der Maschine mit 6 Knoten den Tonnenstrich nach Süden. Eigentlich hätte ich das auch mit der Genua machen können, aber angesichts des Verkehrs und der Enge möchte ich frei Sicht nach vorne haben. Außerdem bin ich mit der Fock bei Winddrehungen flexibler. Eine backstehende Genua kann ich in engen Fahrwassern nicht gebrauchen, da es außerhalb des Tonnenstrichs Stehtiefe hat. Das Ganze zieht sich dann doch über zwei Stunden hin, dann geht’s in fast in gegensätzlicher Richtung an Barhöft vorbei und an der Westseite von Hiddensee wieder ein Stück in nördliche Richtung, bevor ich nach Westen drehen kann. Mit Groß und der Genua geht’s es dann mit halbem Wind in Richtung Prerow. Gegen 19 Uhr berge ich die Segel und laufe unter Maschine in den rund angelegten Hafen ein. Ich hatte mir einen Platz in einer Box reserviert. Die Pfähle sind allerdings so hoch (ca. 5-6 Meter über der Wasserlinie und dick, wie eine Litfaßsäule), so dass ich mich frage, wie soll man hier vernünftig eine Leine drüberlegen. Warum fragt man nicht bei der Planung mal ein paar Segler, wie diese Boxen am besten zu gestalten sind? Ich aktiviere den bereits abgebauten Bojen Haken und fahre mittels „Bugboje“ an den Anleger. Neugierige Augen aus den Cockpits der anderen vielleicht 20 Boote beobachten das Ganze. Einer kommt aber dann doch an meinen Platz und hilft, eine Leine anzunehmen. Er hatte die Flagge am Achterstag mit der Nr. 1 gesehen und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Ich mache mir den Rest der Gnocchi warm und sitze dann noch mit einem Glas Rum und einer Zigarre im Cockpit. Morgen geht’s nach Warnemünde.
Da der Wetterbericht wieder ab ca. 14 Uhr Böen mit 20 Knoten angesagt hat, breche ich früh auf. Es erwischt mich dann aber doch noch, da ich anfangs nicht so schnell vorankomme, wie geplant. Dafür rauscht die Moyenne dann die letzten 1,5 Stunden mit etwas zu viel Segelfläche (Vollzeug) bei halbem Wind (bis 20 Knoten) mit bis zu 8 Knoten Speed nach Warnemünde. Die Welle nimmt deutlich zu und das Großsegelbergen wird wieder zu einem Tanz auf dem Vulkan. Dann rein in den Hafen und bei 18 Knoten Wind bekomme ich gleich beim ersten Anlauf das Schiff sicher in die Box. Ein Nachbar nimmt die Luvachterleine in die ich eindampfen kann. Dann die Bugleinen über die Poller und die Achterspring ausgebracht und dann ist es geschafft und ich auch.
Nach 2.260 Seemeilen und 65 Tagen ist die Moyenne wieder in ihrem Sommerhafen angekommen.
Ich fange nachmittags an, das Schiff aufzuräumen, morgen werden ich den Spa-Bereich des Hotels ausprobieren (dieser wird sich als außerordentlich schön herausstellen). Am Samstag holt mich Leonie ab und ich freue mich, Sie wieder zu sehen. Dann gehts nach Berlin (ich muss ja schließlich zum Friseur). I
n der Nacht von Freitag auf Samstag windet und regnet es heftig und auch am Samstag morgen weht es im Hafen wieder mit bis zu 30 Knoten Wind. Gut, dass ich bereits am Donnerstag hier her gekommen bin.
Wie immer klingt etwas Wehmut mit, wenn die Saison zu Ende geht. Es ist einfach schön, die überwiegende Zeit draußen an der Luft zu sein und sich den Wind (hätte etwas beständiger sein können) um die Nase wehen zu lassen. Seit Töre war das Wetter eigentlich immer sommerlich warm mit viel Sonne und wieder habe ich viele nette Menschen kenngelernt und auch wieder viel dazugelernt.
Ende September/Anfang Oktober segele ich dann die Moyenne nach Neustadt also zum Winterliegeplatz. Dort endet dann eine wieder einmal schöne Segelsaison.