Crew-Wechsel in Kerteminde. Manfred und Jens treten die Heimreise an. Und während Karin und Michael im Zug nach Kerteminde und später im Bus sitzen, mache ich klar Schiff.
Michael hat sich eine Erkältung zugezogen und verbraucht Taschentücker, Vitamin C und Ingwertee. Ingwer hatte ich reichlich an Bord.
Am nächsten Tag laufen wir in Richtung Samsö aus. Das Wetter ist kalt aber der Wind passt. Wir finden ein freies Plätzchen, und abends wird gekocht. Die Windvorhersage sagt Starkwind für die kommenden Tage voraus. Dennoch entschließen wir uns am nächsten Tag doch in Richtung Aarhus auszulaufen. Der Wetterbericht behält Recht. Bis zu 27 Knoten True Wind messen wir in Böen zu denen sich noch Regen gesellt. Das Ganze ist aber nur von kurzer Dauer. Wir hatten das zweite Reff drin, allerdings auch noch die Genua draußen. Das war doch ein bisschen viel, so dass wir auf die Fock wechseln. Die beiden High-Speed-Fähren werden wir im Tagesverlauf viermal treffen. Nach mehreren Kreuzschlägen nehmen wir kurz vor Aarhus die Segel weg und laufen unter Maschine ein. Der Hafen ist erstaunlich voll, dennoch finden wir ein feines Plätzchen in das wir mit dem Bug voran einfahren. Es gibt sogar eine feine Treppe, so dass wir bequem an und von Bord kommen.
Wir waren schon zweimal in Aarhus. Es ist eine tolle Stadt mit reichlich neuer Architektur am Hafen und einer schönen alten Innenstadt mit hunderten von nettel Läden, Restaurants, Kneipen, Bars und Cafes.
Karin und ich nutzen die Zeit und gehen morgens joggen, da wir einen Tag hier verbringen werden. Wir besuchen den Dom, Essen und Trinken fein und genießen die Stadt.
Von Kerteminde aus, segeln wir in Richtung Süden. Der Wind kommt schwach aus SO, so dass wir gegen Mittag die Maschine anstatt der Segel zur Fortbewegung nutzen müssen. Da auch die Sonne sich hinter den Wolken verkrochen hat, sinken zudem noch die Temperaturen. Wir laufen um 17 Uhr nach 41 Seemeilen in Bogensee ein und hoffen auf bessere Bedingungen am Freitag. Und, tatsächlich der Wind dreht zwar auf Süd kommt aber nun mit 4-5 Bft. Anfangs noch mit Vollzeug, später mit der Fock und dem ersten Reff geht es mit 6,6 Knoten zügig in Richtung Ärosund. So kreuzen wir nach Süden, ab und zu ziehen Schauer durch. Michael steuert fleißig durch die immer kabbliger werdende See. Eine kleine Regatta läuft gegen die „Ffftein“. Ausgang ungewiss, da sie letztendlich einen anderen Kurs nehmen. Gegen 1745 nehmen wir die Segel weg und finden einen Platz längsseits. Karin eruiert die Rückreisemöglichkeiten, die eher bescheiden ausfallen, aber es soll morgen einen Bus geben. „Soll“ ist das richtige Wort, denn der Bus fiel aus, bzw, fuhr am Wochenende gar nicht. So kam Michael mit Karin im Schlepptau wieder an Bord. So segelten wir weiter zu dritt bei kräftigen Winden (5-6) aus WNW mit dem zweiten Reff und der Genua (mal eine neue Kombi) mit 6,5 bis 7,3 Knoten nach Sonderborg. Als wir in den Sund einlaufen zeigt der True Wind 23 Knoten und wir wechseln auf die Fock und Reffen ein Reff aus. Ohne Welle geht es weiter flott durch den Sund. Kurz vor der Brücke schüttet es nochmal aus Kübeln und die Böen erreichen 26,5 Knoten. Wir finden eine Platz längsseits und Karin sputet sich, um nun doch den Bus zu erreichen.
Michael und ich bleiben bis Dienstag. Ich muss ein bisschen Büroarbeit erledigen und zum Friseur. Abends gehen wir zweimal in das gleiche, sehr gute Restaurant.
Gestärkt, frisiert und erholt geht es am Dienstag weiter in Richtung Kappeln. Um 1020 geht der Genacker hoch und bleibt gute zwei Stunden zusammen mit dem Großsegel unser Zugpferd. Dann kommt – auf Grund der besseren Manövrierbarkeit die Fock zum Einsatz und fahren die Schlei hinuter. Hinter der Brücke machen wir in Kappeln fest. Das Anlegen wird auf Grund des im Hafen setzenden Stroms nicht einfach und ich erlöse den leidenden Michael schließlich und fahre das Schiff in die Box. Ein paar Tage später werde ich die gleichen Probleme haben …
Bei aufklarendem Himmel können wir am Mittwoch sogar einen Teil der Schlei segeln. Es ist eine wirklich traumhafte Landschaft und ich bin froh, das erleben zu können.
Ich fahre am späten Nachmittag zurück nach Berlin. Michael bleibt noch einen Tag länger an Bord und hat das „Vergnügen“ das Schiff in die Nachbarbox verlegen zu müssen. Mit der Nachricht weckt mich Michael am kommenden Morgen, als ich noch schlaftrunken im Berliner Bett liege. Wir besprechen alles und mit Hilfe zweier Stegnachbarn geht alles glatt.
Ich verbringe ein paar Tage über Leonies Geburtstag in Berlin und fahre am Dienstag wieder mit der Bahn nach Schleswig.