ABBA im Ohr und bestes Wetter begleitet uns nach Kopenhagen.

Endlich eine Woche durchgehend sommerlich warm mit insgesamt guten Winden.

Am Samstag kommt Michael an Bord und wir gehen abends zum ABBA Revival Konzert, das hier in der Ausstellungshalle der Ancora Marina stattfindet. Die Band und vor allem die beiden Lead-Sägerin sind super und kopieren ABBA perfekt. Obwohl die Halle teilweise bestuhlt ist, kommt bereits beim ersten Lied Stimmung auf und die Band animiert alle sofort zum Tanzen. Michael bemerkt erstaunt, dass er ja alle Lieder kennt, obwohl er früher nicht „der“ ABBA Fan gewesen ist. Insgesamt werden es über zwei Stunden feinste „gute-Laune“ Musik mit professionellen Musikern und bester Stimmung! Wir waren beide – genauso wie alle anderen sehr begeistert.

Am Sonntag legen wir relativ früh ab. Am Vortag hatte ich noch 60 Liter getankt. Um 0845 sind bereits Groß und Genua gesetzt und wir setzen den Kurs nach Gedser ab. Mehrfach setzen wir den Genacker um ihn später wieder einzuholen. So geht es bei Winden aus NW in Richtung 040 Grad. Wir suchen uns eine Lücke im Ost-West-Verkehr vor dem Trennungsgebiet und laufen um 20.20 Uhr bei schöner Abendstimmung in Gedser ein. Der erste Versuch eine Box anzulaufen scheitert an den Nachbarn, die sich die Aussicht wahrscheinlich nicht verderben lassen wollen „Hier könnt ihr nicht anlegen, habt ihr nicht das Schild gelesen, ihr müsst weiter vorn anlegen, da zu groß“, dabei ist ihr Schiff wahrscheinlich nur 2 Fuß kürzer. Aber auf solche deutschen Nachbarn haben wir auch kein Bock und laufen in eine andere Box ein. Das Problem ist, dass im Hafen zum Land hin sehr viel Seegras im Hafen treibt. Egal. Wir kochen uns eine feine Fischsuppe und genießen den Abend.

Erneut legen wir früh, das heißt schon um acht Uhr ab. Der SO Wind ist noch nicht der Rede Wert, also folgen wir dem Tonnenstrich aus dem Hafen und wenden uns dann um die Südspitze von Gedser und dann in Richtung Klintholm. Es kommt etwas Wind auf und wir machen unter Vollzeug immerhin 3 Knoten Fahrt über Grund. So zieht sich die Fahrt nach Klintholm etwas. Ich will spätestens um 17 Uhr dort sein, da ich um 18 Uhr online an unserer Vorstandssitzung teilnehmen möchte.

Als wir um 16.30 Uhr in den Hafen einlaufen, liegt man teilweise schon im 4er-Päckchen. Wir entdecken eine Lücke zwischen zwei solcher Päckchen und der Plan ist mit der Steuerbordseite längsseits an eine große Motoryacht zu gehen.  Auf Grund der Päckchensituation muss ich die Moyenne quasi quer in die Lücke bugsieren. Das geht dann so: etwas vorwärts und den Bug dabei mit Linksdrehung ein Stück in Richtung Motorboot bis der Bug ca. 20 Zentimeter vor dem Bug des Päckenliegers ist. Dann rückwärts einkuppeln. Der Radeffekt zieht nun das Heck etwas nach Steuerbord, also in die richtige Richtung. Backbord einschlagen, Minipusch, dann wieder rückwärts. Der Anker einer großen, roten Stahlyacht ist ca. 10 Zentimeter von unserem Heck entfernt. „Hallo Moyenne“ höre ich vom Eigner. Wir hatten uns in Tallin 2023 getroffen. Unsere abendliche Party mit Freunden war musikalisch etwas laut, so dass die Frau sich – berechtigter Weise – genötigt sah im Nachthemd von außen zu rufen und Zeichen zu geben, die Musik etwas leiser zu machen. Problem: Keiner hörte oder sah sie. Während wir diese Episode Revue passieren ließen, bugsierte ich die Moyenne, unter der Beobachtung vieler Eigner, weiter in die Lücke – Hafenkino vom Feinsten. Zum Schluss noch einmal ein kleiner Schub vom Bugstrahler, dann waren wir längsseits fest. Michael schrieb ins Logbuch: Anlegen mit Millimeter-Arbeit.

Nach der „Arbeit“ gab es ein spätes Abendessen. Es war sommerlich warm, die Stimmung im Hafen mit dem Masten-Meer bestens und wir beschlossen einen Tag hier zu verbringen. 

Morgens um 0700 war die Nacht zu Ende, da die Motoryacht um halb acht auslaufen wollte. Auch das Päckchen vor uns löste sich um diese Zeit auf, so dass sich das Ablegemanöver entspannt gestaltete. Wir suchten eine freie Box, in die wir vorwärts einfuhren, um die Nachmittags- und Abendsonne im Cockpit zu haben. So war es auch. Der Badestrand überraschte mit weißem Sand, der sich im Wasser fortsetzte. Karibikfeeling. Mit dem Bus fuhren wird nach Stege, kauften Fisch und dicke Krabbenscheren, besuchten den (Kunst)Markt und ließen den Tag auf der Moyenne ausklingen. Abends gab es Dorsch.  

Mittwoch, der 15. Juli und es geht weiter in Richtung Kopenhagen, mit Zwischenstop bei Rödvig. Ich habe einen Platz im Christiania-Hafen reserviert, allerdings nur bis Montag, danach muss man sehen. Der Hafenmeister, der die rechte Seite befehligt ist nicht gerade einfach.

Es wird – wie immer – nicht einfach um Möns Klint herumzukommen. Der Wind ist schwach und unbeständig. Gefühlt setzen und bergen wir den Genacker alle halbe Stunde. Um 16.30 Uhr ankern wir vor Rödvig auf 5,5 Meter mit 25 Kette. Das Wasser ist glasklar, ohne Quallen und super erfrischend. Wir baden uns faulenzen etwas bevor es ans Kochen geht. Es wird die Krabbenscheren mit Baguette und Knoblauchsauce geben, anschließend noch den legendären Spitzkohl. Die Krabbenscheren sind so groß und die Schale so hart, dass die Wasserpumpenzange als Werkzeug herhalten muss. Inhaltlich hatte ich mehr vorgestellt. Der Spitzkohl ist mengenmäßig dann wie erwartet und lecker. Dazu Rosewein und Abendsonne, Zigarre, Musik, was will man mehr? 

Um halb neun verlassen wir die Ankerbucht. Die Batterien zeigen nun solide 83%, das Thema ist also geklärt, dafür zeigt der Außenplotter ab Zoom unter einer Seemeile die Karte nicht mehr richtig an, unten geht alles. Der Außenplotter hat ja von Anfang an, mit den zwei Slots, Probleme bereitet.

Östliche Winde um 3 Bft. bringen uns mit dem Genacker und um die 5 Knoten nach Kopenhagen. Hier wird immer noch viel Landaufbau betrieben. Die Abkürzung an der Müllverbrennungsanlage ist gesperrt. Die Angaben in der aktuellen Seekarte sind durch viele „Einfahrt verboten“ und Einzelgefahrentonnen undurchsichtig. Offizielller Hinweis: Man muss die große Einfahrt von Norden her nehmen, die sonst den Kreuzfahrern vorbehalten ist. Also gibt es einen kleinen Umweg. Das Wetter ist weiter sommerlich warm. Das ganze Ufer ist voller junger Menschen, die Baden, an Getränke und Foodbars stehen und es sich gut gehen lassen. Wir machen kurz vor der Brücke fest, um halb sechs in den Christianshaven einzufahren. Michael ist vorgelaufen, und der Platz 77 ist frei. Um kurz nach halb sechs sind wir in der Box.

Es ist dies super tolle Stimmung hier in diesem Kanal, der mich immer wieder genau hierhin zieht. Wir gehen Essen und nach einem kleinen Spaziergang gibts noch einen Absachker im Naerva und dann noch einen Absacker an Bord, oder waren es zwei? Egal, wir sind im Sommer in Kopenhagen. 

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