Am Dienstag bin ich doch noch in Kalmar geblieben. Nach dem Joggen gings zum Stadtbummel, d.h. hauptsächlich zur Burg. Die Suche nach einem freien Massagetermin blieb erfolglos. Ich kaufte Langustinen und ein bisschen schönen Käse und vertrödelte dann den Nachmittag u.a. damit mich um Sitzpolster für unseren Segelverein zu kümmern. Abends wurde ich von Jochen und Kristian auf die Scorroco eingeladen. Sie waren mit ihrem umgebauten sehr, sehr schönem 2-Mast-Kutter bereits mehrfach in der Karibik, in Frankreich und in England gewesen. Gegen 22 Uhr verabschiedetet ich mich in die Koje, da ich morgens früh, also um acht Uhr auslaufen wollte. So geschah es auch und als ich in der Hafenausfahrt noch die Leinen klarierte kam Jochen mit meinem Utö-Sweatshirt angelaufen und winkte. Kurze Zeit später konnte das gute Stück übergeben werden und wir verabschiedeten uns erneut. Bestimmt sieht man sich, wie viele andere sehr nette Menschen irgendwo mal wieder.
Auf Grund der Windstille wurde es eine Maschinenfahrt den Kalmarsund in Richtung Süden. Ich wollte allerdings morgen bei gutem Wind in Richtung Hanö oder sogar weiter segeln, also war der schnellste Weg das Ziel. Schließlich kam doch noch Wind auf und ich konnte noch gute 3 Stunden segeln. Die Windswept mit Middi und Burghardt holten unter Maschine auf und machten ein paar Fotos von der Moyenne. Gegen 16.20 Uhr biege ich nach Steuerbord ab und laufe ein Stück dem Tonnenstrich folgend an der Insel Varö vorbei und kann dann wieder Segelsetzen. Mit Vollzeug geht s durch die 18 Meter hohe Brücke (Masthöhe der Moyenne inkl. Antenne 16,10 Meter über der Wasserlinie) in Richtung Kalmar. Um 18 Uhr berge ich die Segel und tanke in Kalmar noch einmal 50 Liter (erneut lag der Verbrauch bei knapp 3 Liter/Stunde bei ca. 1.800 Umdrehungen), bevor ich mich an den Liegeplatz verhole. Es war erneut ein langer Schlag von 52 Seemeilen und so geht’s zum Italiener zum Abendessen.
Am Donnerstag lege ich bereits um 0700 ab. Die Sonne kämpft gegen den Seenebel und es ist eine mystischen Morgenstimmung. Kurze Zeit später setze ich die Segel und laufe mit einem Kurs von ca. 205, später 225 Grad in Richtung Simrishamn. Endlich mal beständiger Wind mit rund 13 Knoten von raumschots bis halbwind und so geht es mit um die 5.5. Knoten zügig voran. Es herrscht reger Funkverkehr auf Kanal 16. Die Sonne setzt sich durch und es wird angenehm warm. Gegen 10 Uhr verschwindet die Küste im Dunst und für die nächsten 3 Stunden gibt’s keine Landsicht mehr. Gegen 17 Uhr beschließt der Wind für heute einzuschlafen, er wird erst kurz vor dem Hafen wiederkommen, die Wellen nehmen dafür zu und die Moyenne beginnt im Seegang hin und her zu rollen. Als0 Segel bergen und nach 62 Seemeilen mir Maschine in den Hafen von Simrishamn. Kurz vorher läuft Paul mit der Alicia ein. Abends lade ich ihn zum Essen ein. Er kam solo von Utklippan, seine Freundin trifft er hier wieder. Sie war zwei Tage Wandern.
Der 66 Tag an Bord wird ein Hafentag. Es ist morgens schon sehr warm und sonnig. Ich finde spontan eine Massage und schlendere ein wenig durch den Ort. Die „Albatros“ von Clipper Hamburg auf der ich als Jugendlicher zweimal gefahren bin läuft ein. Schöne Erinnerungen werden wieder wach. Abends sitze ich noch mit Nina, Paul, Gabi und Kai an Bord. Heute trifft Trump Putin in Alaska, aber keiner hier hat anscheinend Lust, über Politik zu reden.
Und weiter geht’s nach Ystad. Erst ist schönes Segeln angesagt aber an der Landspitze dreht der Wind, wie erwartet und die Welle kommt stramm von vorne. Wieder muss die Maschine ran und gegen 14 Uhr mach ich in Ystad fest. Morgen will ich dann den guten Wind nutzen und die ca. 60 Meilen nach Hiddensee fahren.
Es waren im Gegensatz zu den beiden vorherigen Reise viele, recht lange Schläge die ich allein gefahren bin. Wenn ich in Warnemünde angekommen sind es ca. 870 Solo-Seemeilen gewesen. Diese ließen sich aber aus den verschiedensten Umständen nicht wirklich vermeiden. Nächstes Jahr wird das dann wieder anderes.
Nun bin ich am Sonntag, den 15.8.25 seit 06.30 Uhr bereits unter Segeln auf dem Weg nach Hiddensee. Die Sonne scheint, es ist jetzt um 11.30 Uhr auch angenehm warm. Ein Verkehrsgebiet habe ich schon durchquert. Die MS Karolina habe ich hierbei angefunkt, da wir uns auf Kollisionskurs befanden. Auf meinen Anruf hin, meinte sie aber, ich soll meinen Kurs beibehalten, er würde hinter mir durchgehen und so war es dann auch. Es hat sich bewährt, diese Dinge im rechtzeitig per Funk abzuklären, so vermeidet man Stress und Unsicherheit auf beiden Seiten.
Kurz vor der Einfahrt in das eng betonnte Fahrwasser nehme ich die Segel weg und laufe bei weiter sehr schönem Wetter erst weiter südlich und dann entgegengesetzt zum Hafen Kloster. Der ist schon richtig voll, aber ich kann mit rückwärts an den Steg neben eine große Motoryacht legen. Die Segelyacht an der gegenüberliegenden Seite, wollte mich nicht längsseits gehen lassen, obwohl das für mich auf den ersten Blick besser erschien. Willkommen in Deutschland. Also mache ich an der Motoryacht fest, deren Eigentümer mir dann beim Festmachen helfen. Der Hafen ist großartig gelegen und sehr stimmungsvoll. Ich esse im gegenüberliegenden Restaurant und bin nach rund 61 Seemeilen dann bald und geschafft in der Koje. Am Montagfrüh muss ich mich bereits um neun Uhr verholen, da einige Innenlieger raus wollen. Erst versuch ich mein Glück in einer gegenüberliegenden Box, diese erweist sich aber als zu schmal, also fahre ich in eine breitere. Hier liegen die Pfähle wieder sehr weit auseinander. Ich kann die Steuerbordbordleine beim Einparken über den Poller legen, die lose Leine bliebt aber am offenstehenden Gate später hängen, so dass sie dicht kommt und ich nicht weiter nach hinten komme. Also schnell nach vorne und Leine klarieren, dann weiter rückwärts. Schlussfolgerung: Gates beim Einfahren in Boxen geschlossen halten. Als ich hinten fest bin, hilft mir jemand die Heckleinen wieder so zu fieren, dass ich eine Leine über den anderen Pfahl werfen kann. Dann ist endlich alles gut. Der Tagesverlauf gestaltet sich dann entspannt. Ich kaufe leckere Fischbrötchen, frisches Brot und ein paar Blaubeeren ansonsten passiert nicht viel. Abends gibt’s einen schönes Abendlicht im Hafennn, dazu später Gnocchi mit Gemüse. Nachts leuchten die Sterne über dem Hafen.
Am nächsten Morgen jogge ich in Richtung Leuchtturm, sehe ein Reh am Gartenzaun stehen und habe einen schönen Ausblick auf das Meer und den Leutturm.
Die Windvorhersage ändert sich leider schon wieder zu meinen Ungunsten. Anstatt leichten Winden am Donnerstag soll es nun ab frühen Nachmittag wieder mit starken Böen aus Westen wehen. Es ist dieses Jahr echt verrückt. So werde ich wohl am Mittwoch nachmittags nach Barhöft segeln und dort irgendwo ankern um dann am Donnerstag um 6 Uhr in Richtung Warnemünde aufzubrechen.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …