Am Montag bringe ich Leonie zum Bus, sehr schade … Anschließend erledige ich Büroarbeit und räume noch ein bisschen auf. Die Windvorhersage bleibt stabil schlecht. D.h. Winde mit durchschnittlich 14 Knoten, was ja passen würde aber die Böen werden mit ca. 24 Knoten und am Mittwoch sogar mit 28 Knoten angegeben. Gerade gehen auch wieder Böen mit 24 Knoten durch den Hafen. Da muss ich nicht rausfahren. Der Weg nach Süden führt durch ein teilweise recht eng betonntes Fahrwasser, also entscheide ich erst am Donnerstag mit moderaten westlichen Winden in Richtung Vestervik zu segeln.
Am Dienstag gehe ich erneut in die schöne Sauna und Esse mit der Crew der Blue Maple auf der Hotelterrasse zu Abend. Eine Sägerin spielt Gitarre und wir später spontan von einem Freund mit Posaune und Akkordeon sowie einem Bass.-Spieler sehr schön begleitet. Es ist ein sehr netter Abend. Auf dem Schiff schaue ich noch den angefangenen Film (JFK Tatort Dallas) weiter. Diesen kann man hier streamen, in Deutschland ist er nicht verfügbar. Nachts und früh morgens frischt der Wind weiter auf. Paul von der Angelica bietet Hilfe beim Ausbau der Logge an und siehe, er hat noch einen anderen Dreh und die Logge kommt raus. Ich wollte sie prophylaktisch reinigen, da sie vor zwei Jahren im Kalmar-Sund nicht mehr funktionierte und somit kein scheinbarer Wind angezeigt wurde. Damit war auch das Windprogramm des Autopiloten nicht mehr gut nutzbar. Es zeigte sich aber keine einzige Pocke und so setzten wir sie schnell wieder ein. Vom Einkauf brachte ich Paul dann zwei Kannebullar als Dankeschön mit.
Am nächsten Morgen verlasse ich den Hafen schon um kurz nach 8 Uhr. Windy kündigt Wind mit ca. 12 Knoten an, allerdings Böen wieder mit bis zu 22 Knoten. Also kommt das erste Reff ins Großsegel und die Fock zum Einsatz. Diese ist sowieso die erste Wahl, da ich oft kreuzen muss. Am Vorabend hatte ich noch das Motoröl, den Keilriemen, Kühlwasser und die Bilgen kontrolliert. Außerdem ist das Ersatz UKW, die Taschenlampe und die Flex aufgeladen.
Mit 6 Knoten geht es zügig voran. Ich lasse den LT Enskar an Steuerbord und kreuze zwischen den Inseln Väggö und Haskö durch. Die „Atlantis“ eine Sun Odysse kommt hinter mir mit Maschine, während ich durch den Sund kreuze. Ich hatte sie im Arkösund getroffen. Es geht den Ölsö Sund entlang. Immer wieder fallen kräftige Böen zwischen den Inseln ein. Aber da es keine Welle gibt, ist alles halb so wild. Nach 43 Seemeilen fahre ich in eine Ankerbucht ein und der Anker fällt i7 Meter tief und ich stecke rund 30 Meter Kette. Die Einfahrt nach Trassö führte mich an gefühlt 1.000 Inseln vorbei, die im Sonnenlicht sicherlich noch schöner ausgesehen hätten, aber es ist bewölkt und etwas frisch. Macht nichts, in der Bucht liegt eine deutsche Yacht am Felsen, sonst ist keiner da. Ich brate mit die Lachsforelle und um 21.30 Uhr wird es auch hier nun schon dunkel. Also Ankerlicht an. Zigarre im Cockpit und dann in die Koje. Der Ankeralarm hält die Wache und über dem Mast leuchten zumindest zwei Sterne.
Als ich morgens aufwache, sind es nur 15 Grad, also stelle ich die Heizung mal vorsorglich an. Diese läuft auch brav an, um nach ca. 10 Minuten wieder auszugehen. GRRR. Ich versuche meine gelernten Tricks mit dem Neustart aber es funktioniert nicht. Fehlercode XY meldet sich und ein weiterer, der auf den Multi Controller hinweist. Herr Klepsch meldet sich auf meinen Anruf und bestätigt, dass der Fehlercode auf einen Kommunikationsfehler hindeutet. Nach langem Hin und Her trenne ich in meinem Telefon mal den Webasto Connect und sieh da …., die Heizung springt nach Löschen des Fehlers wieder an. Es ist echt ein Kreuz mit dieser Software. Gegen 10.30 Uhr kann ich dann endlich los. Die Sonne kommt nun auch raus, nachdem es morgens noch geregnet hatte und nun erstrahlt die Inselwelt in schönem Licht als ich mit dem Groß im ersten Reff und der Genua mich auf den Weg mache. Später wechsele ich auf die Fock, da ich wieder kreuzen muss. Ich laufe auf dem LT Finnkarten zu und in Stora Förra finde ich nach 39 Seemeilen für heute die nächste Ankerbucht. Allerdings hat es hier wieder Quallen, so dass ich meine Badeabsichten schnell abblase. Es wird trotzdem ein schöner Abend, leider verschwindet die Sonne doch noch im Wolkenband. Also nüscht ist mit schönem Sonnenuntergang.
Der 60. Tag dieses Jahr auf dem Schiff und es geht in Richtung Oskarshamn. Eigentlich wollte ich noch weiter, aber gegen Abend frischt der Wind deutlich auf und die Welle nimmt gleichermaßen zu, so dass ich noch zwei Stunden mit Maschine gegen an hätte bolzen müssen und dazu hatte ich gar keine Lust. Bis zu diesem Zeitpunkt war es aber ein schöner Segel Tag. Mittags komme ich an einer Bucht vorbei, in der ich vor zwei Jahren schon einmal war und es ist lustig, dass ich mich an die eine oder andere Stelle noch erinnern kann – trotz der vielen Inseln und Felsen. Nach zahlreichen Wenden ziehe ich doch noch das erste Reff ein, da der Wind weiter zunimmt. Schließlich berge ich um 16 Uhr die Segel. Das ist bei der Welle gar nicht so einfach aber es geht. Die Fock hatte ich schon eingerollt, mit Maschine leicht voraus, stelle ich der Autopilot mit dem Windprogramm so ein, dass der Einfallwinkel recht stabil bei 3-5 Grad von Backbord kommt. Das hat den Vorteil, dass mir das Segel nicht entgegenschlägt, wenn ich auf dem Dach stehe. Mit dem Großfall in der Hand, welches einmal um die Winsch rumläuft, geht’s zum Mast und dann greife ich ins Segel und hole es in Falten so gut es geht Stück für Stück herunter. Das geht durch die kugelgelagerten Mastrutscher gut. Nur muss man sehen, dass man das Auf und Ab des Schiffes kompensiert. Aber ich bin dabei immer mit dem Lifebelt gesichert. Dann Segelsack zu und weiter geht es in Richtung Hafen.
Im Hafen gibt es die üblichen Heckbojen, da aber viel Platz ist will ich längsseits gehen. Am Steg erkenne ich mit dem Fernglas sehr kleine Festmacher-Ringe. Das ist für mich immer Mist, aber ich versuchen es dennoch. Rückwärts komme ich an den Steg, aber der Winkel vom Schiff zum Steg reicht nicht um sicher auszusteigen und die Mittelspring durch den Ring zu ziehen, da der Wind den Bug immer wieder wegdrückt. Ich hätte nun das ganze bequem auflandig gestalten können, aber ich versuche es noch ein paar Mal. Das Bugstrahlruder hilft mir nicht so richtig, da dann zwar der Bug an den Steg kommt, aber das Heck vom Steg wegdreht. Rauszuspringen ist mit bei dem Wind zu riskant. Wenn ich die Leine nicht schnell genug durch den kleinen Ring bekomme, treiben 10,4 Tonnen vom Steg weg. Schließlich kommt ein junger Belgier aus seinem Schiff mir zu Hilfe. Die Leine geht über und kurze Zeit später liege ich fest an der Pier. Ich gehe noch einkaufen und esse eine sehr leckere Bouillabaisse im Hafenrestaurant. Der Wassertank wird aufgefüllt und dann geht’s in die Koje. Morgen liegen erneut rund 40 Meilen vor mir nach Kalmar.
Früh um acht werfe ich die Leinen los. Erneut bietet die Windvorhersage ein breites Spektrum von 10 – 20 Knoten. Das erste Reff bleibt also im Großsegel drin. Da es ein ablandiger Halbwindkurs sein wird, kommt die Genua zum Einsatz. Und so geht es bei sehr schönem Segelwetter mit einem Speed zwischen 6 und 7 Knoten, in der Spitze 8 Knoten nach Kalmar. Ich überhole tatsächlich zwei Schiffe (!) und als ich vor der Kalmar-Brücke die Segel berge, kann ich noch schöne Fotos von der „Jager“ und der „Windswept“ schießen.
Der Hafen ist schon recht voll. Ich fahre bis hinten durch, um mir einen Platz zu suchen. Die Windswept kommt hinter mir rein und will mir nach dem eigenen Anlegen helfen. Also warte ich im Hafenbecken. Der Wind weht moderat mit 9 Knoten. Ich hatte mir einen Schwimmsteg ausgesucht aber die helfende Hand steht plötzlich an einem anderen, der mir eigentlich zu breit ist. Aber entgegen meiner üblichen Vorgehensweise (dorthin zu fahren, wo es für mich am besten erscheint) geht es rückwärts in die Box. Die Heckleine geht über, die andere auch und somit ist alles erst einmal gut. Aber das „Dicke Ende“ in Form vom besten „Hafen-Kino“ sollte noch kommen. Die Bugleine muss noch durch den am Schwimmer befestigten Haken gezogen werden. Von oben ist kein Rankommen, also balanciere ich auf dem schmalen Schwimmsteg, der nur 10 cm breit ist nach vorne bis zum Bug (ca. 10 Meter). Ich ziehe die recht lange Leine durch die Öse und hole sie durch. Dabei halte ich mich am Schiff fest. Aus irgendwelchen Gründen ist ein Knoten in der Leine und verhindert das Durchziehen. Also versuche ich das Ganze zu klarieren. Nicht ganz einfach auf dem wackeligen Schwimmer, irgendwann weiß ich nicht mehr an welchem Ende ich die Lose durchziehen muss, gleichzeitig treibt die Moyenne langsam mit dem Bug vom Steg weg. Normalerweise, wenn die Box nicht zu breit ist, stellt das kein Problem dar, da das Schiff durch den anderen Schwimmsteg ja in der Seitwärtsbewegung eingebremst wird. Aber wie anfangs erwähnt, ist der Steg zu breit. Während ich also mit der Leine beschäftigt bin, treibt das Schiff weg. Ich lasse die Leine fallen, um mich mit beiden Händen an der Reling festzuhalten. Merke aber, dass das nichts werden kann und stoße mich von der Reling ab und komme wieder senkrecht auf dem Schwimmsteg zum Stehen. Allerdings nur für ca. 20 Sekunden, dann verliere ich den Halt und mache einen rollenden Abgang ins Hafenbecken. Mit einem Bein und einem Arm kann ich im Fallen mich am Steg festklammern und so hänge ich mit der einen Hälfte im Wasser und mit der anderen auf dem Schimmsteg. Es ist eine sehr groteske Situation. Mein Helfer steht an Land und hält sich wacker, lacht also nur innerlich schallend in sich rein. Mit geht es anders, ich muss Lachen und versuche dabei mich nun auf den Balken zu hieven. Nach drei Versuchen haben ich es geschafft. Die Moyenne ist nun dankenswerterweise auch wieder zu mir zurückgetrieben und so kann ich mich wieder festhalten. Ich klariere die Leine und mache das Boot nun fest. Ein Schlauchboot kommt und fragt, ob ich Hilfe benötige, „vielen Dank, aber ihr kommt ca. 8 Minuten zu spät“. Dann ziehe ich erstmal meine halb nassen Sachen aus und hole das Handy aus der Tasche. Es funktioniert noch. Dann erstmal Durchatmen. Da ich hinten in einer Ecke liege und das Anlegemanöver eigentlich schon gelaufen war, habe ich wohl recht unbeobachtet den „Abgang „gemacht.
Eine Stunde später sind die Sachen in der Waschmaschine, ich bedanke mich bei Burghard für seine Hilfe und gehe danach in die Sauna.
So das war das Highlight der Saison. Was lernen wir daraus? 1. Gut und wichtig bei den Hafenmanövern keine Schwimmweste mehr tragen. 2. Telefon aus der Tasche nehmen. 3. Der Platz anlaufen, den man sich vorgenommen hat.
Montag ist Büroarbeit angesagt und außerdem sind die üblichen Dinge zu erledigen, die so ein Hafentag mit sich bringt. Ich helfe Paul seine Freundin in den Mast hochzuziehen. Sie müssen den Windex wechseln. Im Bootsladen schaue ich nach neuen Angel-Ködern und nach einem intelligenten Bootshaken, mit dem man Leinen von Bord easy durch Haken und Ösen ziehen kann. 150 EUR dafür, finde ich aber etwas teuer.
Am Dienstag werde ich noch hierbleiben und mir die Burg ansehen und vielleicht ins Maritime Museum gehen.
Am Mittwoch geht’s dann früh nach Karlskrona.
PS: Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, da ich auf der Reise wenig Zeit und Ruhe zum Schreiben habe …