Nach der Vereinsregatta am Samstag fahre ich am Sonntag (30.5.) in Richtung Warnemünde. Ich bereite abends bereits alles für eine frühe Abreise vor. Der Plan ist über Gedser nach Norden in den Guldbergsund zu fahren.
Um 06.40 Uhr klingelt der Wecker und um 0800 heißt es „Leinen los“. Mit moderatem halben Wind geht es easy in Richtung Gedser. Um 1145 setze ich den „Dannebro“ um 1450 passiere ich Gedser. Unter Genua geht es weiter bis zur Ansteuerungstonne der Rinne in Richtung Nyköping. Das Echolot meldet 1.60. Ein deutscher Segler kommt entgegen. Freundliches Grüßen. Im Nachhinein hätte er mir ggf. einen großen Umweg ersparen können. Ich folge dem engen Tonnenstrich, der sich in Richtung Nyköping schlängelt. Die Brücke kommt in Sicht und ich bereite alles zum Anlegen im Hafen nach der Brücke vor. Um 1700 funke ich die Brücke an, nichts. Das folgende Telefonat mit dem Brückenpersonal ist ernüchternd. Die Brücke ist für 2 Wochen under construction und kann nicht geöffnet werden (Hä??!!). Also gut, dann eben die ganze Strecke unter Maschine wieder zurück. Ich denke an den deutschen Segler. Hatter er das gleiche Erlebnis? Es gibt ansonsten keinen Grund den Sund nach Norden zu durchfahren.
Um 1830 laufe ich in den Hafen von Gedser ein. Interessiert schaut eine 4er Crew aus einer Hanse, wie ich im Hafen nach einem Platz suche. Ich entscheide mich für eine Box neben einer Yacht. Hier schnippelt eine Frau Gemüse im Cockpit. Ich fahre ein. Keine Reaktion, von niemanden. Der Steg ist recht hoch und hat Holzbalken, durch die man die Leine führe muss. Nicht sehr ideal. Geht trotzdem. Die Frau schnippelt weiter Gemüse. Als ich nach vorne gehe, um die Vorleine über den Poller zu bringen, rufen ich der Männercrew zu: „4 Mann im Cockpit und keiner kommt mal, um eine Leine anzunehmen“. Eine blöde Antwort kommt zurück. Egal. Später, als ich auf dem Steg zum Schiff zurücklaufen kommt einer der Crew auf de Steg und entschuldigt sich, dass keiner geholfen hat, aber ich haben einen so souveränen Eindruck gemacht, dass sie dachten, ich bräuchte keine Hilfen. Naja, schöne Ausrede.
Da ich morgen dann rund 40 Seemeilen in Richtung Westen und 10 in Richtung Norden muss, breche ich bereits um halb acht auf. Der Süd-Westwind passt zunächst und bringt mich mit 5 Knoten gut voran, wird dann aber schwächer und kommt raumer. Kein guter Kurs für die Moyenne. Es kommt dann einfach zu wenig scheinbarer Wind im Segel an. Zusammen mit der querlaufenden Welle, schlagen die Segel öfter, als das sie Vortrieb erzeugen also runter damit und den Jockel an. 1 Stunde später komme ich durch das große Gebiet, in dem der Fehmarn Belt Tunnel von den Dänen gebaut wird. Tausend Tonnen, viele Arbeitsboote und dann noch der Fährverkehr. Ich habe neben Kanal 16 noch den „Revierfunkkanal 68 laufen“. Ein Sicherungsboot ruft mich auf Kanal 16. Auf Kanal 9 richtet er mir aus, dass mein Kurs gut ist, fragt aber nochmal nach, ob ich weiß, dass hier eine Baustelle ist. Alles sehr nett.
Um 14 Uhr kommt Wind auf und ich mache mit der Genua gute Fahrt. Der Strom läuft mit und ich kann später etwas anluven. Ein Tümmler kreuzt hinter mir. Seehunde hatte ich heute morgen beim Auslaufen schon gesichtet. Das Wetter wird diesig und das Baro fällt schnell um 7 Bar. Es kündigt sich ein Wetterumschwung an. Es kommt erwartungsgemäß viel Verkehr den großen Belt hinauf und hinunter. Ich muss aufpassen, gut auf die Ostseite von Langeland zu kommen. Kurzer Funkverkehr mit einem Containerschiff – alles klar, er wird, wie erwartet nach der nächsten Tonne nach Süden drehen.
Gegen 1730 laufe ich, nach 46 Seemeilen in den Hafen von Spodsberg ein. Die Pfähle stehen extrem weit von Steg entfernt, was das Leinenfestmachen immer erschwert, aber ein Stegnachbar hilft mir, so dass alles gut klappt. Alleine ist das doof, da man erst hinten Leine geben muss, dass Schiff mit Ruderlage und Gas ausrichten und nach vorne treiben lassen muss, um erst an den einen und dann an den anderen Pfahl zu kommen. Wenn hinten einer hilft, ist es leichter.
Zur Belohnung für die 11 Stunden Fahrt, gibt es einen großen Hamburger und ein Turborg.
Abends lese ich noch und dann geht´s in die Koje. Morgen soll es vormittags regnen. Nach Lundeborg sind es nur 15 Seemeilen, ich kann also etwas ausschlafen. Sehr schön.
Als ich um sechs Uhr aufwache, regnet es. Um halb 8 Uhr koche ich mir einen Kaffee und bleibe noch in der Koje, dann mache ich frühstück und in einer Regenpause lege ich um halb zehn ab in Richtung Lundeborg. Am Nachmittag kommen dann Manfred und Jens an Bord. Wind ist leider zurzeit zu wenig zum Segeln, also geht es mit Maschine erstmal an der Ostküste Langelands nach Norden.
Ich bin „erster“ in Lundeborg und finden einen Platz längsseits an der Mole. Jens und Manfred kommen eine Stunde später an. Ich habe inzwischen im feinen Kaufmannsladen noch etwas Proviant nachgekauft. Wir landen die Sachen aus und verstauen die mitgebrachten Lebensmittel. Auf der großen Wiese oberhalb des Hafens nehmen wir den verdrehten Genacker auseinander und rollen ihn wieder ein. Abendbrot gibt es an Bord, gefolgt von einer Sicherheitseinweisung. Henner und Kai kommen spät abends auch noch rein und wir quatschen noch ein bisschen.
Am nächsten Morgen legen wir ab und setzen die Genua. Hinter der großen Beltbrücke gehen wir höher an den Wind und mit dem ersten Reff im Groß und der Genua geht es mit guten 7 Knoten nach Kerteminde. Um 17 Uhr sind wir fest. Der Bootsladen hat leider schon zu, sonst hätte ich noch den „Dan-Fender“ ersetzt. Er ist in Lundeborg kaputtgegangen. Es ist schon der zweite, wohingegen der Original von Sirius noch immer brav seine Dienste tut. Wir melden uns bei der Regattaleitung und bekommen unseren Tracker.
Abends koche ich noch Chili Con Carne vor und wir besprechen den kommenden Tag.