Kurs Marstal liegt an, um erstmal der großen Hitze des Festlandes zu entgehen. Die ca. 25 Seemeilen kann ich zu 70% segeln, das passt also ganz gut. Ein Schweinswalpäärchen an Steuerbord ist auf Nahrungssuche. In Marstal finde ich ganz am Ende einen Liegeplatz. Ein anderer Einhandsegler nimmt freundlicher Weise die Leinen an. Den kleinen Landbummel verbinde ich mit einem Gang zum Supermarkt. Bereits um 16 Uhr geht der angekündigte Starkwind los. Ich koche an Bord Hähnchen mit Limettenbrause, passend dazu braust draußen der Sturm. Um 22.30 Uhr gesellen sich Blitz und Donner dazu. So geht das quasi stundenlang. Der Mond geht blutrot auf. Ich habe vorsichtshalber eine zusätzliche Spring ausgebracht. Meine Nachbarin mit einer sehr schönen alten Halberg Rassi hatten am späten Nachmittag schon wieder abgelegt, wer weiß wohin?
Ich laufe erst gegen Mittag aus, da ich nur zu einer Ankerbucht ein paar Meilen entfernt möchte. Sie liegt nördlich von Ärosköping. Dort fällt der Anker um 17 Uhr und wir brav mit 2.000 Umdrehungen eingefahren. Dann kann ich das erstmal dieses Jahr in der Ostsee baden. Das Wasser ist kühl, klar und erfrischend. Abends gibt es Reste vom Vortag. Leider fällt in der Nacht die Batteriespannung der Servicebatterie erneut. Keine Ahnung warum, der Verbrauch ist nicht ungewöhnlich. Vielleicht hat eine Batterie eine Macke. Ich werde versuchen, dass mit der Werft zu klären.
Der Wind frischt nachts unangenehm auf und so verlasse ich um halb elf nach einem erneuten Bad die Ankerbucht in Richtung Faaborg. Der Westwind passt und es wird eine schöner Segeltag. Als ich um Avernako komme frischt der Wind kräftig auf. Ich wechsel auf die Fock und brause mit guten sieben Knoten nach Osten, um hier in den Tonnenstrich einzudrehen. Beim Segelbergen habe ich ca. 22 Knoten und im Hafen werden es rund 18 Knoten sein – also alles, so wie immer. Ich suche ein passende Box und mache fest. Dann gibt es erstmal in der Rogerie am Hafen eine Stück Markrele mit Kartoffelsalat und ein kaltes Bier. Ich wechsel auf Grund des Windes nochmal meine Platz und bringe zunächst meinen Teller an den neuen Tisch und hole dann mein Bier. In diesen ca. 15 Sekunden hat eine Möve mit die ganze Markele vom Teller geklaut und verputzt sie mit einer Kollegin innerhalb der gleichen Zeit! Also kaufe ich eine zweite Markrele auf die ich besser aufpasse.
Beim, mit bekannten Herrenausstatter, erwerbe ich ein weiteres helles Leinenhemd und hoffe, dass ich es noch viel anziehen kann.
Ich bleibe den Dienstag in Faaborg, da ich u.a. Büro- und Steuerarbeiten zu erledigen habe. Das Wetter ist sommerlich und somit alles gut.
Da es ab Mittwochabend schon wieder Starkwind geben soll, laufe ich am Mittwoch früh nach Ärösköping aus, das geht zugig und ich habe endlich mal nur wenig Wind im Hafen. Abends sind es dann in Böen bis zu 35 Knoten Wind. Ich hatte vorsichtshalber das Bimini zusammengefaltet und auch ansonsten alles sturmsicher vertäut. Das Städchen ist herzallerliebst und ich esse sehr fein bei Bang`s Mad & Vin Bar. Am nächsten Abend ist es das Mumm Restaurant. Ich lasse mich ein bisschen durch das Städtchen und die kleinen Gassen treiben und laufe zum Badestrand mit den vielen kleinen bunten Badehäuschen.
Da der Wind weiterhin stürmisch bleibt, bleibe ich ebenfalls noch einen Tag im Hafen. Jeder Segeltag ist ja bekanntlich ein „verlorener“ Hafentag. Entspanntes Inselhopping fällt dieses Jahr wohl aus.
Am Samstag lege ich erst um halb zwölf ab und habe drei schöne Segelstunden bei westlichen Winden um 4 Bft. Als ich an dem Naturschutzgebiet nördlich von Marstal vorbeisegel, sehe ich einige Robben, die sich im flachen Wasser oder auf Steinen sonnen.
Um 14.30 Uhr bin ich dann zum zweiten Mal dieses Jahr in Marstal. Aus irgendwelchen Gründen springt die Sicherung am Steg immer wieder raus und so kommt meine Landstromkabel-Verlängerung erstmalig zum Einsatz. Ca. 35 Meter kann ich nun damit überbrücken und so komme ich bequem zum nächsten Stromkasten. Hier passt dann alles.
Am Sonntag steht Jogging auf dem Morgenprogramm. Mittags besuche ich das Schifffahrtsmuseum, welches immer wieder einen Besuch wert ist und ich trotzdem fast alleine bin. Nachmittags muss ich mich mit dem Monatsabschluss und anderen Büroarbeiten beschäftigen. Draußen bläst der Wind wieder mit 25-28 Knoten durch den Hafen.
Der Wecker klingelt um 0600, da ich heute früh in Richtung Laboe segeln will. Nachmittags soll es schon wieder Starkwind geben. Ich habe mir einen Platz im Hafen reserviert, was gut warm denn der Hafen ist pickepacke voll als ich um 14 Uhr ankomme. Die Überfahrt war anstrengend. Eine Stunde Segeln am Anfang, dann 3 Stunden Maschine gegen an. Die Wellen sind kurz und hoch und so taucht das Schiff mit 3,5-4 Knoten (2.000 Umdrehungen) immer wieder mit dem Bug ein. Wie heisst es doch in dem sehr, sehr netten Hörbuch von Karl Forster (Kleine Philosophie der Passion Segeln) immer wieder so schön: „Segeln ist scheiße“. Mit Wind, Welle und Regen gegen an, bleibe ich schön im Salon sitzen und warte auf Besserung. Ein Frachtschiff kommt mit entgegen. Ich halte zunächst den Kurs – er auch, ich ändere meinen Kurs erst nach Steuerbord, er kurze Zeit später nach Backbord, so dass wir wieder auf Kollisionskurs sind. Auf dem AIS sehe ich ihn nicht. Ein neue Regenfront verhindert die Sicht so stark, dass ich ihn nicht mehr sehe. Ich schalte das Radar ein und nun kann ich ihn und den Schiffsnamen erkennne. Meine dreimaligen Anrufen auf Kanal 16 bleiben unbeantwortet. Die Tatsache, dass er keine Fahrt macht, erklärt nun seine Drehungen, er scheint dort zu Baggern oder andere Arbeiten auszuführen. Trotzdem kein Grund auf Kanal 16 nicht zu reagieren. Die Sicht wird wieder besser und der Wind dreht etwas, so dass ich wieder Segel (Groß im 1. Reff und die Fock) setzen kann. Auf dem AIS sehe ich die „Hamburg Express“ von der Yachtschule Eichler, die immer sehr interessante Videos Online stellen. Ich funke sie an und bedanke mich bei Svenja, für die immer sehr interessanten Videos. Sie sind ausnahmsweise mal nicht Richtung Helgoland unterwegs, sonder befahren die Ostsee.
Regen und etwas Sonne wechseln sich ab und ich nehme erst kurz vor Laboe die Segel weg und laufe unter Maschine in die Förde ein. Am Schwimmsteg mache ich dann fest und trinke auf die anstrengende Überfahrt erstmal ein Tuborg Classic.
Dann sind erstmal wieder zwei Hafentage angesagt, a) weil ich erst am Freitag in Neustadt sein will und b) weil bis einschließlich Mittwoch noch Starkwind angesagt ist. Außerdem hat sich draußen bestimmt noch eine kräftige Welle aufgebaut.
Ein Besuch in Kiel am Dienstag zeigt, dass sich ein Innenstadtbesuch aus meiner Sicht kaum lohnt. Das zweite Mal dieses Jahr klaut mir eine Möve mein Brötchen. Kommt von hinten im Sturzflug an und entreisst mir das halbe Brötchen. Immerhin die andere Hälfte hatte ich schon vorher gegessen. Abends besuche ich den Italiener Casa Tribaldi am Hafen, der überraschend gut ist.
Das am nächsten Morgen eigentlich vorgesehene Joggingprogram verschlafe ich gepflegt. Nach dem Frühstück wasche ich nochmal, da es hier schnelle Miele Waschmaschinen und Trockner gibt. Insgesamt ist der Hafen sehr gut ausgestattet. Sichere Schwimmstege mit ordentlichen Klampen, schnelles W-Lan, Brötchen am Morgen. Also alles da.
Nach der Büroarbeit besuche ich das Marine-Denkmal und das ausgestellt U-Boot. Eine kleine Sonderausstellung beschäftigt sich mit der Frage: „Was ist Frieden?“ Sehr empfehlenswert.
Mit vollem Wassertank und noch ca. 100 Litern Diesel geht es dann zunächst mit Vollzeug aus der Kieler Förde und dann in Richtung Osten. Leider schläft der Wind um 1115 ein und so muss die Eisen-Genua rann. Mit der Welle von schräg hinten laufe ich bis 1600 Uhr unter Maschine und kann erst kurz hinter Fehmarn wieder Segel setzen. Das Wetter ist nun traumhaft und ich genieße die Fahrt entlang der Küste mit halben Wind. Als ich Grömitz passiere ist schlagartig der Wind wieder weg. Um 2130 mache ich am V Steg in Neustadt fest.
Am nächsten Morgen telefoniere ich mit der Werft, um das Batterie-Problem zu besprechen. Joshi kommt und 13 Uhr an Bord, um den genauen Batterietyp und die Einbausituation zu prüfen. Nach Rücksprache mit der Werft passen die neuesten AMG Batterieb 4×110 aA rein, die auch im Lager sind. Da jemand aus Plön sowieso in die Richtung muss, trifft sich Joschi mit ihm auf halben Weg und ist eine Stunde später mit den neuen Batterienn vor Ort. 4 Batterien werden aus und 4 neue eingebaut, wobei das Hin- und Herschleppen die größte Arbeit darstellt. Zwei Stunden später ist alles erledigt und ein großer Dank geht an Joshi und Christian von Sirius. Woran lag es, dass die Batterien Spannung verloren haben? Nichts genaues weiß man nicht aber a) bin ich mit dem Schiff von ca. 7.500 Seemeilen in der nun 4. Saison gefahren und entsprechend viele Ladezyklen sind erfolgt, b) könnte es sein, dass der sehr kalte Winter den Batterien auch nicht so gut getan haben, auch wenn es im Schiff wahrscheinlich im Batteriefach nicht unter Null war. Egal, nun ist alles gut und ich kann wieder beruhigt vor Anker gehen.